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10.07.2019

Ausstellung 'Neues Klima, neuer Wald' eröffnet

Herausforderungen für die Wälder in Zeiten des Klimawandels

Die heimischen Wälder sahen sich in den vergangenen Jahren zunehmend Extremen ausgesetzt: Trockenheit, Dürre, Schädlingsbefall sowie Starkregen- und Sturmereignisse haben dem Bestand unverkennbar zugesetzt. Ursächlich hierfür ist der Klimawandel, dessen Auswirkungen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Waldwirtschaft in einer Ausstellung zu sehen sind, die Erster Landesbeamter Knut Bühler am Montag, 8. Juli, eröffnete.

Die Anwesenheit der beiden Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz, Bündnis 90/Die Grünen, und Ulli Hockenberger (CDU), sowie Vertretern des Kreistags sowie der Städte und Gemeinden zeigt, dass das Thema auf allen politischen Ebenen von großer Bedeutung ist. Knut Bühler betonte die vielfältige Funktion der Wälder. „Wälder sind ein Ort der Erholung für die Bevölkerung insbesondere in Ballungsgebieten, sie sind Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten, Kohlenstoffspeicher und auch Wirtschaftsgut. Alle Interessen gleichermaßen zu berücksichtigen, ist unter normalen Umständen schon ein Balanceakt. Die sich gravierend ändernden Rahmenbedingungen verursacht durch steigende Temperaturen und immer neue Hitzerekorde stellen die Fachleute vor größte Herausforderungen, die in dieser Komplexität bisher nicht aufgetreten sind“, skizzierte Knut Bühler die aktuelle Situation.

Die neue Forstpräsidentin Dr. Anja Peck bescheinigte der Forstverwaltung des Landkreises Karlsruhe ein gutes Händchen mit dem Ausstellungstermin. Nach dem Dürrejahr 2018 sei 2019 bereits jetzt ein extremes Jahr und der Sommer dauere noch an. Die Prognose für die kommenden Jahre mache auch keine Hoffnung auf schnelle Besserung. Aus ihrer Sicht müssen daher die waldbaulichen Instrumente weiterentwickelt werden und man müsse sich intensiv mit neuen Baumarten beschäftigen.

Diesem Apell schloss sich Forstamtsleiter Martin Moosmayer uneingeschränkt an. „Die im Kreis vorherrschenden Baumarten Kiefer, Buche, Fichte und Tanne haben bei den steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen und der großen Trockenheit bereits heute große Probleme. Die bei uns bislang selteneren Traubeneichen und Douglasien könnten hingegen von den sich ändernden Bedingungen profitieren“. Es werde jetzt darum gehen, neue Baumarten auf verschiedene Kriterien zu prüfen wie beispielsweise Standorteignung, Wachstum, Stabilität und Konkurrenzsituation innerhalb des Gesamtökosystemes Wald. Er plädierte für kontrollierte Anpflanzungen von neuen Baumarten, um Erfahrungen zu sammeln und Risiken zu vermindern. Seinen Vortrag schloss er mit den Worten „Die Arbeit für den Wald von morgen beginnt heute!“

Dr. Jörg Grüner, Forstpathologe an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, befasste sich in seinem Vortrag mit der Frage, ob das neue Klima neue Waldkrankheiten nach sich zieht. Er sah das Problem weniger in neuen gravierenden Schädlingen, sondern vielmehr in den „alten Bekannten“. Bespielsweise treten Pilze, die schadauslösend für das Triebsterben der Eschen und Kiefern verantwortlich sind, oder Borkenkäfer, die Fichten befallen, in neuer Aggressivität auf, begünstigt durch die Vorschädigung der Bäume durch die Trockenjahre.

Die Ausstellung ist bis 26. Juli im Landratsamt Karlsruhe zu sehen, der Eintritt ist frei.