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16.10.2020

Gesundheitsamt stellt sich auf steigende COVID-19-Fälle ein

Neue Strategie und mögliche Auswirkung auf Bevölkerung vorgestellt

Bundesweit steigt die Zahl der an Corona Infizierten stark an und obwohl die Zahlen im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Karlsruhe noch ein gutes Stück unterhalb des Schwellenwerts von 50 und auch des Warnwertes von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohnern liegt, stellt sich das Gesundheitsamt auf weiter steigende Zahlen ein. Was hinter den Kulissen läuft und auf welche Maßnahmen sich die Bevölkerung einstellen muss erläuterte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel gemeinsam mit Gesundheitsdezernenten Knut Bühler und dem Leiter des Gesundheitsamts Dr. Peter Friebel sowie seinem Stellvertreter Dr. Ulrich Wagner am Freitag, den 16. Oktober vor Pressevertretern.

„Wenn sich die Infektionszahlen so weiterentwickeln, erreichen wir den Warnschwellenwert in wenigen Tagen“, machte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel unmissverständlich klar. Um dann nicht einer aus dem Ruder geratenden Situation hinterherlaufen zu müssen hat sich das Gesundheitsamt schon im Vorfeld entsprechend aufgestellt. So wurden seit Beginn der Pandemie zusätzlich 40 Personalstellen geschaffen. Das neu gebildete COVID-19-Sachgebiet unterstützen bei Bedarf und flexibel 80 speziell geschulte Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Landkreis- und auch aus der Karlsruher Stadtverwaltung; zusätzlich wurden von der Bundeswehr zehn Soldaten angefordert, die voraussichtlich Mitte nächster Woche bei der Kontaktpersonennachverfolgung zum Einsatz kommen. Hier fällt absehbar die meiste Arbeit an: „So gilt es zum Beispiel bei Infektionen in Schulen regelmäßig ganze Klassen in Quarantäne zu schicken. Ging es noch vor wenigen Wochen um 300 bis 400 Kontaktpersonen, stieg diese Zahl in der vergangenen Woche auf über 1300. In der aktuellen Woche wurde diese Zahl bereits am Donnerstag übertroffen“, verdeutlichte Erster Landesbeamter Knut Bühler die Dynamik. Ab Montag arbeitet die gesamte Kreisverwaltung auch wieder im Krisenstab-Modus, das bedeutet, das auch unter hohem Druck Entscheidungen schnell getroffen und mit vereinten Kräften umgesetzt werden können.

Vorgestellt wurden auch die Regelungen, auf die sich Bundeskanzlerin und die Länderchefs geeinigt haben: So gilt bereits bei der Inzidenz 35 im öffentlichen Raum überall da, wo enger oder andauernder Kontakt zu anderen herrscht eine ergänzende Maskenpflicht. Feiern im öffentlichen Raum dürfen höchstens 25 Teilnehmer, im privaten Raum höchstens 15 Teilnehmer haben. Für die Gastronomie können die Ordnungsämter Sperrstunden verhängen und zusätzliche Auflagen und Kontrollen vornehmen, bei Veranstaltungen können Teilnehmerzahlen begrenzt werden. Ab der Inzidenz 50 gilt eine erweiterte Maskenpflicht. Veranstaltungen dürfen dann maximal 100 Teilnehmer haben, sofern ein abgestimmtes Hygienekonzept vorliegt. Bei Feiern im öffentlichen Raum sind höchstens zehn Teilnehmer erlaubt, die gleiche Zahl gilt auch bei Feiern im privaten Raum, wobei dann nur Personen aus maximal zwei Hausständen zusammenkommen können. Für die Gastronomie gilt ab 23.00 Uhr die Sperrstunde sowie ein Außenabgabeverbot von Alkohol. „Wir raten allen Gemeinden, ihre Planungen für Veranstaltungen wie Neujahrsempfänge oder auch Weihnachtsmärkte auf den Prüfstand zu stellen“, sagte der Leiter der Infektionsschutzabteilung Dr. Ulrich Wagner. „Überall wo eng zusammengestanden wird und laut gesprochen werden muss, um sich verständlich zu machen steigt das Infektionsrisiko enorm. Glühweinstände bezeichnete er in diesem Zusammenhang als Ballungsräume und potenzielle Hotspots.

Noch während der Pressekonferenz kam die Nachricht, dass das Land die Pandemiestufe 3 ausrufen wird, was die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auch im Unterricht mit sich bringt. Der Landrat begrüßte dies ausdrücklich und sagte, dass das Gesundheitsamt diesen Schritt ansonsten dringlich empfohlen hätte.

„Ob die Infektionszahlen weiter steigen, hat jeder von uns selbst in der Hand. Wer sich an die einfachen AHA-Maßnahmen Abstand - Hygiene – Alltagsmaske hält und sorgsam im Umgang mit den eigenen sozialen Kontakten ist, tut ein Maximum, um Ansteckungen zu vermeiden“, appellierte der Leiter des Gesundheitsamts Dr. Peter Friebel an die Einwohner.