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25.10.2021

Veranstaltung zu den Frauenwirtschaftstagen am 15. Oktober in Karlsruhe

Von coolen  Vätern und Supermüttern

Die positive Nachricht: Dreiviertel der Väter wünschen sich eine gleichberechtigte Aufteilung der Betreuungs- und Haushaltspflichten. „Die neuen Väter Cool sind sich nicht zu schade, auch mal Windeln zu wechseln“, erzählte Prof. Dr. Johanna Possinger in ihrem Vortrag „Herausforderung Vereinbarkeit – von Supermüttern, neuen Vätern und dem täglichen Wahnsinn“ im Rahmen einer Veranstaltung zu den Frauenwirtschaftstagen, die in Karlsruhe am 15. Oktober virtuell stattfand. Rein theoretisch zumindest, wenn da nicht der Gender Pay Gap und andere Hürden wären, die dafür sorgen, dass bei allen Wünschen die Realität ganz anders aussieht. Dem Traum der Väter von der vollzeitnahen Teilzeit, von bis zu 35 Wochenstunden, steht eine tatsächliche überlange Vollzeit gegenüber. Laut dem modernisierten Ernährermodell arbeiten Väter durchschnittlich 45 Stunden die Woche, Mütter größtenteils weniger als 25 Stunden.

Mit der Pandemie habe sich die Situation verschoben: Einem erhöhten Care Engagement von Vätern von 3,3 Stunden pro Tag im Jahr 2018 auf 5,6 Stunden 2020 steht aber immer noch das erhöhte Engagement der Mütter von 6,6 auf 7,9 Stunden gegenüber. Possinger sieht eigentlich keine Retraditionalisierung in diesen Zahlen. Dennoch reduzierten weltweit Mütter ihre Arbeitszeit, um die zusätzliche Hausarbeit und Homeschooling zu bewältigen. „Dazu kommen Ängste um den Bildungserfolg der Kinder und davor, den Ansprüchen der Gesellschaft nicht gerecht zu werden. Geschürt durch Bilder in den sozialen Medien von perfekt gestylten Momfluencern mit ihren genauso perfekt gestylten Kindern und der perfekt aufgeräumten Küche.“

 „Warum ist egalitäre Elternschaft so schwierig“, fragte sich Prof. Dr. Johanna Possinger und nennt drei Gründe:

Zum einen die ökonomische Hürde, nämlich die Logik des Geldbeutels, verursacht durch den oben genannten Gender Pay Gap. Väter verdienen in der Regel mehr als Mütter und  Ehegattenspitting trage weiterhin dazu bei, die traditionellen Modelle der Arbeitsteilung zu unterstützen. „Dazu kommt, dass Kindertagesbetreuung so viel kostet, dass es sich für Mütter oft gar nicht lohnt, in Teilzeit zu arbeiten.“

Ein zweiter Punkt seien die traditionellen Geschlechternormen und damit das Leitbild der halbtags erwerbstätigen Mutter. „83 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer finden, Mütter sollten nachmittags zuhause sein, um den Kindern beim Lernen zu helfen“, so die Professorin. Mit der geringeren Arbeitszeit einher gehe ein Armutsrisiko bei Trennung und im Alter.

Als dritten Grund nannte Possinger den Betrieb. „Noch immer stigmatisieren viele Arbeitgeber die Kinderbetreuung als unmännlich. Eine Präsenzkultur steht über Flexibilität und ständige Verfügbarkeit ist oftmals noch immer eine Voraussetzung für Karriere.“ Ihre Empfehlungen:  Eine Reform des Ehegattensplittings, Investitionen in ganztägige Betreuungs- und Bildungsangebote, befristete Teilzeitangebote, mehr exklusive Elternmonate im Elterngeld und nicht zuletzt eine Ergebnis- statt der Präsenzkultur.

Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten sich die Besucherinnen und Besucher in Themenräumen zu „Selbständigkeit als Chance für Vereinbarkeit“, „Endlich wieder in Arbeit....obwohl es auf den ersten Blick nicht passte!“ und „Im Tandem führen“ mit den jeweiligen Best Practice-Beispielen auszutauschen.

Veranstaltende waren die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, die Handwerkskammer Karlsruhe, die Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, Jobcenter Stadt Karlsruhe und Landkreis Karlsruhe sowie der Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Diese landesweiten Aktionstage machen jedes Jahr im Herbst auf das Potenzial qualifizierter Frauen sowie ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben in Baden-Württemberg aufmerksam.