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Nahwärmekonzeption „Musikerviertel“ in Ettlingen

Gemeinschaftlich wurde am 24.06.2013 der Vertrag zwischen dem Landkreis Karlsruhe, der Stadt Ettlingen, den Stadtwerken Ettlingen und der Energieagentur Landkreis Karlsruhe zur Nahwärmekonzeption „Musikerviertel“ Ettlingen geschlossen. Dieser Vertragsschluss begründet das Modell der strategischen Partnerschaft im Landkreis Karlsruhe, bei dem Synergien zur Umsetzung energieeffizienter Projekte untersucht und im gemeinschaftlichen Verbund realisiert werden.

Die Nahwärmekonzeption für energetische Sanierungsmaßnahmen bildet eine strategische Entscheidungsgrundlage zur Investitionsplanung in Quartieren. Darüber hinaus ermöglicht sie das aktive Zugehen auf Akteure und die Beteiligung der Bürger, die für die Umsetzung energieeffizienter Maßnahmen ausschlaggebend sind. Von einer Erhöhung der Sanierungsquote profitieren Bürger, Handwerkerschaft und die Kommune, da sie zur regionalen Wertschöpfung beiträgt.

Im Quartier befinden sich 271 Gebäude mit drei größeren Schulzentren. Neben dem Berufsbildungszentrum des Landkreises Karlsruhe wird auch die Wilhelm Lorenz Realschule der Stadt Ettlingen in das Nahwärmekonzept integriert.

Im Rahmen der Nahwärmekonzeption „Musikerviertel“ Ettlingen wurde für das bestehende Quartier als auch für das Berufliche Bildungszentrum eine energetische Bestandsanalyse durchgeführt. Sie dient zur Beurteilung  möglicher Sanierungsmaßnahmen und der Festlegung von Neubaustandards (Nachhaltigkeitskriterien) im Rahmen der Neukonzeption (Teilneubau und Generalsanierung) des BBZ-Ettlingen. Neben der eigentlichen Sanierung dieser Liegenschaft und der Schaffung von Ersatzgebäudeteilen spielt die ganzheitliche Betrachtung des Quartiers für die künftige Wärmeversorgung des Stadtviertels im Ganzen und des BBZ-Ettlingen im Speziellen eine entscheidende Rolle. Als einer der größeren Wärmeverbraucher im Quartier ist der Landkreis Karlsruhe besonders an einer wirtschaftlichen und ökologischen Nahwärmeversorgung interessiert. An einer möglichen Lösungsfindung arbeiten alle Beteiligte (Stadt Ettlingen, Stadtwerke Ettlingen, Energieagentur Kreis Karlsruhe und der Landkreis Karlsruhe) Hand in Hand. Die Umsetzung der Konzeption erfolgt in mehreren Ausbaustufen wobei im ersten Bauabschnitt die Versorgung der beiden Schulkomplexe BBZEttlingen und Wilhelm-Lorenz-Realschule und die umliegende Wohnbebauung in der Haydnstraße im Vordergrund steht. Diese Maßnahme wird in den Jahren 2018 bis 2020 realisiert. 

Die hierfür notwendigen Investitionen werden von den Stadtwerken Ettlingen als Netzbetreiber übernommen. Aufgrund des innovativen und ökologischen Charakters dieses Projektes wird dieses Projekt im Rahmen des Förderprogrammes "Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte" mit 80% Direktzuschuss (circa 4 Millionen €) gefördert.

Das Nahwärmekonzept basiert auf einer redundanten Wärmeversorgung mit unterschiedlichen Wärmeerzeugern. Die Grundlastdeckung übernimmt eine Pelletheizung (Zwei-Kessel-Anlage) und ein Biogas-Blockheizkraftwerk. Die erforderliche Spitzenlastabdeckung wird durch eine Gasbrennwertheizung erbracht. Die Erträge der Solarthermieanlage, die auf dem Dach des Neubaus der Wilhelm-Röpke-Schule installiert wird, werden ganzjährig in das Nahwärmenetz eingespeist. Neben der neuen Wärmeversorgung des BBZ-Ettlingen, wird auch eine neue stromtechnische Erschließung in Form einer Ringleitung auf dem Schulgrundstück umgesetzt. Dieses System ermöglicht eine maximale Flexibilität der elektrischen Versorgung, unabhängig wie sich das Gebäudeensemble im Endausbauzustand zusammensetzt. Im Zuge der innerörtlichen Tiefbauarbeiten zur Verlegung von Nahwärmeleitungen, werden entsprechende Leerrohre zum Ausbau der Glasfaserinfrastruktur mit vorgesehen. Somit werden Synergieeffekte genutzt, Mehrwert geschaffen und die Infrastrukturkosten auf ein Minimum reduziert.

Wirtschaftliche und ökologische Vorteile Nahwärmeversorgung im "Musikerviertel" Ettlingen:

  • Investition in eine innovative und ökologische Nahwärmeversorgung mit Wärme aus 97,4% erneuerbaren Energien
  • Neue zentrale Wärmeversorgung (inklusive Wärmeübergabestation) ohne eigene Investition
  • Redundante Wärmeversorgung zur Minimierung eines Systemausfalls  
  • Erfüllung sämtlicher gesetzlicher Vorschriften und Einhaltung der Vorgaben im Hinblick auf den Neubau des BBZ-Ettlingen (EEWärmeG und EWärmeG)
  • Gesamteinsparung von 1.831 Tonnen COpro Jahr
  • Umsetzung des landkreisweiten Klimaschutzkonzeptes durch Kooperation mit Kreisgemeinden und -städten.