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Nahwärmekonzeptionen des Landkreises Karlsruhe

Integrierte Nahwärmekonzepte für energetische Sanierungsmaßnahmen bilden eine strategische Entscheidungsgrundlage für eine an der Gesamteffizienz energetischer Maßnahmen ausgerichtete Investitionsplanung in Quartieren. Darüber hinaus ermöglichen sie das aktive Zugehen auf Akteure und die Beteiligung der Bürger, die für die Umsetzung energieeffizienter Maßnahmen ausschlaggebend ist. Von der Erhöhung der Sanierungsquote profitieren Bürger, Handwerkerschaft und die Kommune. Seit Februar 2012 bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau im Rahmen ihres Förderprogramms „Energetische Stadterneuerung“ Zuschüsse an Kommunen für:

  • die Erstellung integrierter Nahwärmekonzepte für energetische Sanierungsmaßnahmen einschließlich Lösungen für die Wärmeversorgung, Energieeinsparung, -speicherung und -gewinnung unter besonderer Berücksichtigung städtebaulicher, denkmalpflegerischer, baukultureller, wohnungswirtschaftlicher und sozialer Belange.
  • einen Sanierungsmanager, der die Planung sowie die Realisierung der in den Konzepten vorgesehenen Maßnahmen begleitet und koordiniert.

Nahwärmekonzepte werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 65% der Kosten bezuschusst. Der Eigenanteil der Kommune beträgt mindestens 15% erbracht werden. Für die restlichen 20% ist eine Kofinanzierung mit Bank, Energieversorger, etc. möglich. Zuschussfähig sind die im Rahmen des Projekts anfallenden Sach- und Personalausgaben für fachkundige Dritte. Als Fachexperte im Bereich Klima- und Energieeffizienz verfügt die Umwelt- und EnergieAgentur Kreis Karlsruhe GmbH (UEA) über lokale Kenntnisse in diesem Bereich in den Kommunen des Landkreises. Der Förderantrag muss von der Kommune bei der KfWeingereicht werden. Die UEA unterstützt die Kommune bei der Antragstellung.

1. Ziel und Zweck eines Nahwärmekonzeptes

Das Nahwärmekonzept dient in erster Linie der Kenntlichmachung von technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenzialen in einem flächenmäßig zusammenhängenden Gebiet. Es umfasst mehrere private, gewerbliche und öffentliche Gebäude sowie die Infrastruktur. Unter Beachtung aller anderen relevanten städtebaulichen, denkmalpflegerischen, baukulturellen, wohnungswirtschaftlichen und sozialen Aspekte soll aufgezeigt werden, welche konkrete Energieeinsparpotenziale bestehen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um kurz-, mittel- und langfristig CO2-Emissionen zu reduzieren.

Damit bildet das Nahwärmekonzept für die Städteplanung auch eine Planungshilfe für eine an der Gesamteffizienz energetischer Maßnahmen ausgerichtete Investitionsplanung in Quartieren.

Die Erstellung eines Nahwärmekonzepts ermöglicht außerdem eine aktive Befragung der im Quartier ansässigen Bürger und die anschließende Auswertung der erhobenen Daten. Das aktive Zugehen auf den Bürger ist wichtig, um den Klimaschutz im privaten Bereich voranzubringen.

2. Vorteile für die Kommune, Bürger und Handwerker

Die Steigerung der Sanierungsrate erhöht die regionale Wertschöpfung. Die Investitionen für Sanierungsmaßnahmen schaffen Arbeitsplätze für lokale Handwerker und widerspiegeln sich in den Gewerbesteuereinnahmen der Kommune.

Bei der Erhöhung der Sanierungsquote sind die Vorteile für die Kommune, die Handwerkerschaft und nicht zuletzt für die Bürger selbst erheblich. Handwerker aus den Baunebengewerken profitieren direkt durch eine höhere Auslastung ihrer Betriebe. Der Bürger wird in punkto Energie weniger belastet, da er sich von immer weiter steigenden Energiekosten abkoppeln kann. Zudem steigert er den Wert seiner Immobilie. Auch optisch tut sich etwas in der Kommune, da die Quartiere durch Sanierungen deutlich aufgewertet werden.

3. Regionale Kenntnisse und fachliches Know-how der Umwelt- und EnergieAgentur Kreis Karlsruhe

Die UEA bietet bereits kostenlose Erstberatungen für die Bürger im Landkreis Karlsruhe an. Dabei wurden wertvolle Erkenntnisse und Instrumente entwickelt, wie zum Beispiel eine Software zur Erstberatung der Bürger.

Um an Informationen über Quervernetzungen zu gelangen, sind regionale Kenntnisse unerlässlich, die insbesondere bei der UEA und ihren ausgeprägten Netzwerken vorhanden sind. Ein integriertes Nahwärmekonzept erweitert den Betrachtungshorizont in der Energieberatung, der bisher nur die Ebene der Einzelgebäude umfasst. Stadtplanerische Aspekte und Infrastrukturen können berücksichtigt werden, wie z.B. die Relevanz von Nahwärmenetzen.

Referenzen der UEA sind unter anderem die Erstellung von Energiekonzepten für den Landkreis Karlsruhe (www.zeozweifrei.de), den Landkreis Göppingen und den Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

4. Die nachfolgenden Gebiete eignen sich besonders für ein Nahwärmekonzept

  • Reine Wohnquartiere der 50er bis 80er Jahre mit Ein- und Mehrfamilienhäuser, im Großteil ohne leitungsgebundene Energieversorgung, im Besonderen strombeheizte Siedlungen
  • Dorf- und Ortskerne, vor allem, wenn Ortskernsanierungen anstehen.
  • Verdichtete Wohnbebauung mit Geschosswohnungsbau der 70er und 80er Jahre. Größere Komplexe mit Wohneigentümergemeinschaften. Besonders geeignet für Nahwärme.
  • Gemischte Bebauung mit Gewerbe- und Wohnbebauung. Vor allem in kleineren und mittelgroßen Städten sind dies Geschäftsgebäude mit Wohnnutzung
  • Kommunale Liegenschaften mit Umgebungsbebauung, wie zum Beispiel Schulen nahe Wohnquartieren.

5. Ausgangs- und Potenzialanalyse

In diesem Arbeitspaket wird der Ist-Stand der Energieerzeugung und des Energieverbrauchs für die Bereiche Strom und Wärme - gegliedert nach Energieträgern - für das Quartier ermittelt und abgebildet.

Die Erhebung der Grundlagendaten setzen eine enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung, sowie Bereitstellung vorhandener Daten voraus. Verfügbare Daten seitens der Kommunalverwaltung fließen dabei ein und werden seitens der UEA ergänzt.

Für die Betrachtung der für das Quartier maßgeblichen Energieverbrauchssektoren (Strom und Wärme) und deren Energieeinspar- und Effizienzpotenziale werden insbesondere folgende Punkte untersucht und dargestellt:

  • Gebäudetyp und Alter
  • Energieverbrauch
  • Anzahl der Bewohner
  • Bisher durchgeführte Sanierungsmaßnahmen
  • Versorgungssituation/-struktur
  • Bestehende Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien
  • Betriebsstrukturen der Gewerbebetriebe

 Für die Quartiersuntersuchung wird eine eigens entwickelte Software zur Datenaufnahme genutzt, um damit gebäude- und siedlungsbezogene Wärmebedarfe zu ermitteln. Neben den Energiebedarfswerten gehen reale Verbrauchswerte sowie die Sanierungsquote der Gebäude in die Berechnung ein. Grundlage dafür sind repräsentative Untersuchungen der im Quartier erfolgten Sanierungsmaßnahmen. Dies erfolgt über softwaregestützte Erstberatungen, die von der UEA durchgeführt werden. Die Erstberatungen sind für die Gebäudebesitzer kostenlos. Die dabei ermittelten Daten werden nur für die Konzepterstellung verwendet. Die Kommune unterstützt die Untersuchung dadurch, dass sie Informationen an die Gebäudeeigentümer verschickt und die Befragung ankündigt.

Die Erstberatungen sind Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung. Mit ihnen werden die Gebäudebesitzer konkret mit dem Thema der energetischen Sanierung konfrontiert und animiert zu sanieren.

Für kommunale Gebäude und Liegenschaften sind Energiechecks und Energiediagnosen vorgesehen. Die Ergebnisse fließen ebenso in die Konzepterstellung ein.

Die Erfassung der Energieinfrastruktur bildet den aktuellen Stand der Energieversorgung ab und liefert neben der Erfassung des Energiebedarfs eine entscheidende Grundlage für die Planung neuer Energiekonzepte. Erfasst und graphisch dargestellt werden Energieerzeugungsanlagen und Netzstrukturen zum Energietransport.

Erfasst werden Wärme- und Strom erzeugende Anlagen (Einzelfeuerstätten, Wärmepumpen, Solarthermie, Kraft-Wärme-Kopplung- und Photovoltaikanlagen) sowie Gas-, Wärme- und Stromnetze.

6. Akteurs- und Expertengespräche

Für eine erfolgreiche Umsetzung des integrierten Nahwärmekonzeptes ist es erforderlich, die betroffenen Akteure einzubinden. Die im Zusammenhang mit einem Nahwärmekonzept wichtigen Akteure sind: Kommune, Nutzer kommunaler Gebäude, gewerbliche und private Gebäudeeigentümer sowie Unternehmer, Energieversorger und andere lokale Akteure wie Schornsteinfeger, Handwerker und Energieberater.

Allgemeine Ziele der Akteursbeteiligung sind:

  • Interessen der verschiedenen Akteure und der gesamten Gemeinde aufeinander abstimmen
  • Umsetzungserfahrungen der einzelnen Akteursgruppen für die Planung erschließen
  • Identifikation mit dem Nahwärmekonzept verbessern
  • Akteure über Planungs- und Umsetzungsstand informieren
  • Identifikation eventueller Umsetzungshemmnisse (technisch, wirtschaftlich, zielgruppenspezifisch)

 Die Akteursbeteiligung erfolgt durch:

  • Auftaktveranstaltung wenn gewünscht bei der Zielgruppen einbezogen und informiert werden
  • Befragung der im Quartier ansässigen Bürger und die anschließende Auswertung, flankiert von einer intensiven Informationsverbreitung
  • Durchführung von Themenworkshops (zum Beispiel zu den Themen Wärmeversorgung, Energieeffizienz Wohnen, Energieeffizienz Gewerbe) bei der die umzusetzenden Maßnahmen entwickelt, diskutiert und ausgewählt werden.
  • Präsentation der Ergebnisse im Rahmen einer Abschlussveranstaltung (optional)

 Die betreffenden Veranstaltungen werden von der UEA inhaltlich vorbereitet und mit der Kommune organisiert. Ein Mitarbeiter der UEA moderiert die Workshops und erstellt die Ergebnisprotokolle.

7. Maßnahmenkatalog und Szenarien

Die im Rahmen der Veranstaltungen erarbeiteten konkrete Projekte und Maßnahmen, werden in einen Maßnahmenkatalog aufgenommen. Dabei fließen best-practice-Beispiele aus anderen Konzepten mit ein. Maßnahmen können konkrete Sanierungsprojekte oder Projekte zur Energieinfrastruktur, die Entwicklung von gebietsspezifischen Maßnahmen und die Entwicklung von Sanierungsstandards sein. Aber auch Maßnahmen zur Aktivierung der Bürger oder zu Herstellung eines Umsetzungsrahmens sind denkbar. Wichtig dabei ist, dass die entsprechenden Maßnahmen speziell für das Quartier entwickelt oder auf das Quartier abgestimmt sind.

Für geplante Maßnahmen, die kurz-, mittel- oder langfristig umgesetzt werden sollen, wird eine Kurzdarstellung mit den folgenden Inhalten und Bewertungen erstellt:

  • Konkrete Beschreibung der auszuführenden Maßnahmen
  • Kostenschätzung der Maßnahmen
  • Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen
  • Zeitplan für die Durchführung
  • Angaben zum erwarteten Energieverbrauchs-, Energiekosten- und CO2 –Minderungspotential
  • Wirkungsanalyse

Die Kurzdarstellungen bzw. Steckbriefe der jeweiligen Maßnahmen beinhalten grobe Abschätzungen, die im Umsetzungsfall detaillierter ausgearbeitet werden müssen.

Die Maßnahmenbewertung führt dazu, eine Prioritätenliste der Maßnahmen erstellen zu können. Die Zusammenfassung der entwickelten Einzelmaßnahmen zu Szenarien bildet den Rahmen für das eigentliche Konzept. Die Szenarien spiegeln dabei einen erstrebenswerten Endzustand wider, der Bezug auf die Klimaschutzziele der Kommune nimmt. Um dies schrittweise zu erreichen müssen Aktionspläne und Handlungskonzepte erarbeitet werden.

Neben einer Betrachtung des einzelnen Quartiers kann es je nach örtlichen Gegebenheiten wichtig sein, quartiersübergreifende Überlegungen in ein Konzept einzubeziehen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn im Umfeld ein großer Wärmeüberschuss vorhanden ist.

8. Aufbau eines Controllingsystems und Dokumentation

Der Aufbau des Controllingsystems ermöglicht eine regelmäßige Überprüfung der Fortschritte infolge des Projekts. Mit diesem Instrument sollen die Entwicklungen und Wirksamkeit der Maßnahmen, Erfassung und Auswertung der Verbräuche, Zubau Erneuerbarer Energien und CO2-Emissionen in dem Quartier durch eigenes Personal selbständig dokumentiert und fortgeschrieben werden.

Die UEA bietet der Kommune den Aufbau eines geeigneten Controllingsystems an.

Der Kommune wird eine Dokumentation mit den erarbeiteten Ergebnissen als Endbericht zum Nahwärmekonzept in Papierform und eine Fertigung auf Datenspeicher zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse werden in einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.

9. Nahwärmekonzeptionen mit Beteiligung des Landkreises Karlsruhe

Derzeit ist der Landkreis Karlsruhe an der Umsetzung verschiedener Nahwärmekonzeptionen mit Einbindung kreiseigener Liegenschaften beteiligt. Dies betrifft die Nahwärmekonzeption „Musikerviertel Ettlingen“ mit Einbindung des Beruflichen Bildungszentrum Ettlingen, das Quartier „Bruchsal Süd“ mit Einbindung des Gewerblichen Bildungszentrum Bruchsal, das Quartier „Karlsbad-Langensteinbach Süd“ mit Einbindung der Ludwig Guttmann Schule Karlsbad, das Quartier „Kronau“ mit Einbindung der Ludwig Guttmann Schule Außenstelle Kronau sowie dem Quartier der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee.