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Neben der Unterbringung von Flüchtlingen kommt ihrer Integration in die Gesellschaft zentrale Bedeutung zu. Der Weg zu einem landkreisweiten Integrationskonzept wurde in der Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschuss am 17. Dezember aufgezeigt. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf den Geflüchteten der jüngsten Hochphase, sondern auf allen Menschen mit Migrationshintergrund. Legt man die Definition des statistischen Bundesamts zu Grunde, wonach eine Person dann einen Migrationshintergrund hat, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit geboren wurde, macht diese Zahl im Landkreis Karlsruhe 25 Prozent aus. Der Anteil der jüngst Geflüchteten beträgt zwei Prozent.

Integrationsbeauftragte Darja Chevalier berichtete, dass bei der Erstellung eines umfassenden Integrationskonzeptes auch die Öffentlichkeit mit einbezogen wird: An drei Themenabenden haben bereits 300 Einwohnerinnen und Einwohner die Gelegenheit genutzt, Ideen einzubringen und am Konzept mitzuarbeiten. Einer der Schlüssel für eine gelingende Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache, weshalb Sprachförderangebote weiterhin im Mittelpunkt stehen. Hauptaufgabe hierbei ist es, Angebote des Bundes und des Landes sowie verschiedener Träger umzusetzen und aufeinander abzustimmen sowie zielgruppenspezifische neue Angebote wie z.B. Eltern-Kind-Kurse oder berufsbegleitende Kurse zu etablieren.

Ebenso wichtig ist die berufliche Integration, wie der leiter des Jobcenters Rolf Martin ausführte. Auch hier ist trotz vieler öffentlicher Beratungs- und Unterstützungsangebote das freiwillige Engagement unverzichtbar. Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützen bereits durch persönliche Kontakte, werben bei Arbeitgebern und geben Hilfestellungen im Bewerbungsprozess. Das Landratsamt fördert diese Arbeit durch das Projekt „Job Coaches für Geflüchtete“, in dessen Rahmen fünf haupt- und drei ehrenamtliche Trainer qualifiziert wurden, die mittlerweile 19 Job Coaches ausgebildet haben. Nach guten Erfahrungen in Pilotgemeinden soll das Projekt auf den ganzen Landkreis ausgeweitet werden. Etabliert werden soll auch eine „Berufsorientierungswoche“, in der  Sprachkursteilnehmer einen Überblick über das deutsche Ausbildungs- und Arbeitssystem und dessen Anforderungen, Informationen über Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten sowie eine praktische Einführung in den Bewerbungsprozess erhalten.

Sehr positiv nahm das Gremium auf, dass sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften trotz vieler Flüchtlinge im Laufe des Jahres 2019 nicht weiter erhöhen wird und sich der Ansatz für die laufenden Bedarfe für Unterkunft und Heizung deshalb im Jahr 2019 um fast 800.000 EUR gegenüber dem Vorjahr reduziert. Der Arbeitsmarkt zeigt sich von den zusätzlichen Arbeitsuchenden weitgehend unbeeinflusst; viele Geflüchtete konnten schon in den Arbeitsmarkt integriert werden und immer mehr Geflüchtete sind in der Lage, ihren Lebensunterhalt teilweise oder sogar vollständig eigenständig zu bestreiten. „Ein Beleg, dass die vereinten Integrationsbemühungen aller am Integrationsprozess beteiligten Netzwerkpartner greifen“, resumierte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, der die Fortsetzung der Anstrengungen verkündete: bis dato wurden im Landkreis ca. 5000 individuelle Integrationspläne mit Geflüchteten in der Anschlussunterbringung ab dem 15. Lebensjahr vereinbart. Landkreis und die Städte und Gemeinden stehen hierbei im fachlichen Austausch. Mitte nächsten Jahres soll das Integrationskonzept dem Kreistag zur Beschlussfassung vorgelegt werden.