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Warum sollte bei Vorliegen von Risikofaktoren vor oder bei Aufnahme in die Klinik eine Untersuchung auf das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchgeführt werden (Screeninguntersuchung)?

Nicht alle Menschen tragen MRSA auf ihrer Haut/Schleimhaut und nicht alle, bei denen MRSA auf der Haut/Schleimhaut vorkommt, können MRSA auf andere übertragen. Das Wissen über die MRSA-Trägerschaft ist zunächst für die einzelnen Patienzin, bzw. den einzelnen Patienten selbst wichtig, der vor einer medizinischen Behandlung steht. Infektionen nach medizinischen Maßnahmen, wie nach z. B. Beatmung, Operation oder Immunsuppression sind häufig nicht zu vermeiden und erfolgen am häufigsten durch die Bakterien, die bereits auf dem Menschen selbst leben. Lebt auf dem Menschen bei Krankenhausaufnahme bereits MRSA, so kann eine spätere Infektion mit MRSA auftreten. Entscheidend für den Therapieerfolg ist die frühzeitige und die wirksame antibiotische Behandlung. Von der korrekten Wahl eines wirksamen Antibiotikums hängt also der Heilungserfolg ab. Die behandelnde Ärztin, bzw. der behandelnde Arzt muss aufgrund von Erfahrungswerten bei Auftreten einer Infektion Antibiotika einsetzen (so genannte kalkulierte Antibiotikatherapie). Die hierfür üblicherweise angewandten Antibiotika haben in der Regel keine ausreichende Wirkung gegenüber MRSA. Wertvolle Zeit geht verloren.

Ein Abstrich bei Aufnahme hat daher dreifache Bedeutung

  1. Schutz des betroffenen MRSATrägers: Ist die Trägerschaft bekannt, kann vor Operation noch eine Sanierung (Beseitigung einer MRSA-Besiedelung) versucht werden. Durch Sanierung können signifikant Infektionen verhindert werden (Perl TM et al 2002. N Engl J Med).
  2. Ein Abstrich ist ein Blick in die Zukunft: Weiß die behandelnde Ärztin, bzw. der behandelnde Arzt, dass seine Patientin, bzw. sein Patient MRSA-Träger ist, wird er diesen Erreger bei Auftreten einer Infektion in seine kalkulierte Antibiotikatherapie miteinbeziehen.
  3. Schutz anderer Patienten: MRSA-Träger werden im Krankenhaus (!) in einem Einzelzimmer isoliert. Durch Handschuhe und Schutzkittel wird versucht, die Übertragung von MRSA über Personal auf andere Mitpatienten zu verhindern. Das Personal trägt einen Mundschutz, um sich nicht selbst auf Dauer mit MRSA zu besiedeln und dann MRSA auf andere Patienten zu streuen.