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„Inszenierte Wirklichkeit“ zeigt Alltag eines behinderten Menschen

Sitzung der Ansprechpartner und Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen

Vor der außergewöhnlichen Kulisse der aktuellen Ausstellung „Rollis-machen-Leute“ hatte Reimar Neumann, Behindertenbeauftragter des Landkreises Karlsruhe, ehrenamtliche und hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Landkreis sowie Gäste am vergangenen Donnerstag ins Foyer des Landratsamtes eingeladen. Sozialdezernentin Margit Freund begrüßte die Anwesenden und wies in ihrer Ansprache auf die wichtige Rolle der Beauftragten hin, vor allem bei der direkten Unterstützung von Menschen mit Behinderung und bei der Förderung ihrer Selbstvertretung. „Wir freuen uns, wenn noch mehr Städte und Gemeinden von der Möglichkeit Gebrauch machen würden, Behindertenbeauftragte einzusetzen.“

Reimar Neumann erinnerte an die seit zehn Jahren in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention und dem damit einhergehenden Paradigmenwechsel mit dem Ziel der gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Besonders wichtig erachtete er die Teilhabe am Arbeitsleben: „Die Wirksamkeit und Anerkennung von Inklusion wird am Arbeitsmarkt entschieden“, so seine Aussage.

Wie die Wirklichkeit oft aussieht, zeigten Daniela Stadler, freie Theaterpädagogin, Reimar Neumann und Patrick Kühnel, ein junger Mann im Rollstuhl, der auf Arbeitssuche ist. In der Spielszene kam deutlich zum Ausdruck, dass die Theorie von gelebter Inklusion und die Wirklichkeit in seinem Fall auseinanderklaffen. Gezeigt wurde, wie bürokratische Hürden seine Teilhabe erschweren oder sogar verhindern. Patrick Kühnel beendete die Einführung in das Thema „berufliche Teilhabe“ mit dem Satz: „Ich glaube, ich bin in einem schlechten Film und ich bin nicht der Held.“

In der anschließenden Diskussion bestätigten die Anwesenden diese Kluft und berichteten von eigenen Erfahrungen, zum Beispiel die mangelnde Wertschätzung gegenüber Menschen mit Behinderung sowie die Belastung, um sein Recht kämpfen zu müssen und sich wie ein Bittsteller vorzukommen. Zum Abschluss hielt Patrick Kühnel ein eindrückliches Plädoyer über seine Motivation und seinen Arbeitswillen, das die Anwesenden nicht nur betroffen machte, sondern sehr beeindruckte.

Die Sitzung war Teil der Veranstaltungsreihe im Rahmen des Welttags der Menschen mit Behinderungen. Die weiteren Veranstaltungen finden ebenfalls im Foyer des Landratsamtes statt, sind barrierefrei zugänglich und die Teilnahme ist kostenlos. Um vorherige Anmeldung bei Reimar Neumann, Telefon: 0721 936 – 71350, E-Mail: reimar.neumann@landratsamt-karlsruhe.de, wird gebeten.

Am Donnerstag, 12. Dezember, suchen Menschen, die etwas zu sagen haben, den Dialog mit dem Publikum. Die bekannte Aktivistin Stefanie Ritzmann liest aus ihrem Buch „Weglaufen? Geht nicht!“, umrahmt von Songs des blinden Sängers Chris Brandon. Beginn ist um 18.00 Uhr.

Den Abschluss bildet am Mittwoch, 18. Dezember, um 18.00 Uhr ein Wohnzimmer-Konzert mit besonderen Musikerinnen und Musikern. Die Band Cosmic Presents in kleiner Besetzung (Schlagzeug und zwei Gitarren) und der Meister des Gitarren-Tappings, Frank König, nehmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die Stilrichtungen der Rockmusik.