Seiteninhalt

Corona-Pandemie wirkt sich auch auf öffentlichen Personennahverkehr aus

Sachstandsbericht im Verwaltungsausschuss - Attraktivitätssteigerung, barrierefreier Ausbau und regionales Mobilitätskonzept im Blick

Einmal mehr stand der öffentliche Personennahverkehr auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses, der am Donnerstag, 23. April coronabedingt in der Karlsruher Gartenhalle tagte. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel informierte das Gremium über die Auswirkungen der Corona-Pandemie, infolgedessen das Fahrplanangebot im Land und damit auch das Angebot auf den Linien der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) sowie die Busverkehre ausgedünnt wurden, wobei darauf geachtet wurde, dass auf allen Linien über den ganzen Tag ein Angebot gewährleistet ist. Lediglich die Bedarfsverkehre, also die On Demand- und Anrufsammeltaxi-Verkehre wurden nahezu vollständig eingestellt. Um die Leistungsfähigkeit der Unternehmen nicht zu gefährden, haben sich die beiden Landkreise Rastatt und Karlsruhe als Aufgabenträger darauf verständigt, die Abschlagszahlungen an die Verkehrsunternehmen bis auf Weiteres in gleicher Höhe wie im Haushalt eingestellt weiterzubezahlen. Begrüßt hat das Gremium die Aussage des Verkehrsministeriums, dass Bahn-Pendler für besonders schlechte Leistungen des Regionalverkehrs zwischen dem Juli 2019 und Januar 2020 nun auch im Juni entschädigt werden sollen.

Unklar ist noch die Situation bei der ScoolCard, berichtete der Landrat. Die Zusage des Landes, dass das Mai-Ticket erstattet wird, wurde zunächst wieder revidiert, deshalb werde nun weiter verhandelt. Unabhängig davon soll der Schülerverkehr mit Hochfahren der Schulen ab 4. Mai größtenteils wieder im gewohnten Umfang angeboten werden.

Ein Großprojekt bleibt der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen und Schienenhaltepunkten, der ein gemeinsames Vorgehen von Landkreis, den Kommunen, der AVG, des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) und der Deutschen Bahn erforderlich macht. Aktuell sind 97 % der 1.057 Bushaltepunkte im Landkreis Karlsruhe nicht barrierefrei, wie eine Bestandsaufnahme ergab. Diese enthält auch die Einteilung in verschiedene Kategorien, nach denen der barrierefreie Ausbau erfolgen soll. Die Gemeinden seien nun am Zug, die Kategorisierung zu prüfen, berichtete der Landrat. Ergänzend fügte er hinzu, dass man bezüglich des Ausbaus der Schienenhaltepunkte mit der AVG und der Deutschen Bahn, die bei ca. 90% bzw. 10% Betreiber der Infrastruktur der Haltestellen sind, in guten Gesprächen sei.

Zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV werden derzeit die Reaktivierung von Strecken und mögliche Streckenerweiterungen untersucht. Als Zwischenstand wurde der Verwaltungsausschuss darüber informiert, dass die nun vorliegenden ersten Ergebnisse der Potenzialstudie für die Reaktivierung der Strecken Ettlingen West – Ettlingen Erbprinz, Graben-Neudorf – Hochstetten und Karlsruhe-Neureut – Karlsruhe-Mühlburg den Beteiligten zeitnah vorgestellt werden. Bezüglich der Einschleifung der BMO-Bahn (S31/S32) in die Karlsruher Innenstadt findet Ende April der Auftakttermin mit der AVG, der DB und der Stadt Karlsruhe zur technischen Abstimmung statt. Beim zweigleisigen Ausbau der S4 zwischen Bretten und Grötzingen (Kraichgaubahn) hat die AVG die Voruntersuchung eingeleitet, erste Ergebnisse werden im Sommer erwartet, so der Bericht von Landrat Dr. Christoph Schnaudigel.

Eine weitere Attraktivitätssteigerung verspricht die Taktverdichtung auf der Linie S31/S32 zu Hauptverkehrszeiten, die vom Land Baden-Württemberg angestoßen wurde, um Taktlücken zu schließen. Bei zwei zusätzlichen Fahrten vormittags und einer abends (jeweils Montag bis Freitag an Schultagen) finanziert das Land den Streckenabschnitt Karlsruhe – Bruchsal und der Landkreis die Weiterführung nach Menzingen bzw. Odenheim. Die Umsetzung soll bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 erfolgen.

Das Gremium nahm außerdem zur Kenntnis, dass das Land zusammen mit dem Betreiber Abellio und der DB Netz AG an einem alternativen Fahrplankonzept arbeitet, um die Bedienung auf den Strecken der sogenannten „Residenzbahn“ Stuttgart – Pforzheim – Karlsruhe sowie der „Westbahn“ Heidelberg – Bruchsal – Mühlacker – Stuttgart zu stabilisieren und die Verspätungsproblematik in den Griff zu bekommen. Mit dem Konzept wird sich der Ausschuss in der Sommersitzung befassen.

Neue Wege gehen der Stadt- und Landkreis Karlsruhe mit der Erstellung eines regionalen Mobilitätskonzepts: Damit sollen in den Bereichen Infrastruktur, Mobilitätsangebote und Mobilitätsmanagement für die nächsten zehn bis 15 Jahre Handlungsfelder und –empfehlungen erarbeitet werden. Dafür werden Planungsgrundlagen in Expertenworkshops erarbeitet, die im Februar und März stattfanden. Weitere werden folgen. Das Konzept wird auch der Öffentlichkeit vorgestellt, was das Gremium zustimmend zur Kenntnis nahm.