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Gemeinsam gegen Sucht

Strategien der Suchtprävention im Jugendhilfe- und Sozialausschuss

Hinter der Suchtprävention im Landkreis Karlsruhe mit seinem griffigen Slogan „Wegschauen ist keine Lösung“ steht eine Fülle von Angeboten. Die Initiative wurde aufgrund Ihrer Nachhaltigkeit und Qualität bereits mehrfach bundesweit evaluiert und ausgezeichnet. Und auch in einer aktuellen Auswertung des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg weist der Landkreis Karlsruhe die landesweit geringste Zahl von alkoholbedingten Klinikeinweisungen bei den 13- bis 19-jährigen auf. Über die Strategien und die konkrete Arbeit berichteten die Suchtbeauftragte des Landkreises Melanie Anthoni und der Leiter der Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH Andreas Wendlinger in der Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses am 21. September.

Da Interventionsprogramme, die alle Beteiligten vor Ort einbeziehen und die kommunal aktiv mitgesteuert werden, am erfolgreichsten sind, wurde im Landkreis Karlsruhe ein Netzwerk mit auf Suchterkrankungen und Jugendschutz sensibilisierten Partnern geschaffen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Ausbildung von Multiplikatoren als Experten vor Ort gelegt. „Durch die Vernetzung mit kommunalen Ansprechpartnern für Suchtfragen gelingt es, diese zeitnah über wichtige Neuerungen und Angebote zu informieren, sie in Planung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen einzubeziehen und fachliche Inputs zu geben“, sagte die Suchtbeauftragte. Die Aktivitäten sind vielfältig: So sollen mit Testkäufen von Alkohol- und Tabakprodukten Verkäuferinnen und Verkäufer für den Jugendschutz sensibilisiert werden. Über 900 solcher Käufe fanden seit 2011 statt. Die Beanstandungsquote sank in diesem Zeitraum von 67 % auf 35 %.

Jugendschutzteams setzen beim „Komasaufen“ Stoppsignale. Sie kommen in Zusammenarbeit mit Polizei, Jugendamt und Suchtberatung bei Großveranstaltungen zum Einsatz und konnten allein im vergangenen Jahr 2322 Gesprächskontakte herstellen. Das Programm „7 aus 14“ unterstützt Vereine beim Jugendschutz. 150 Vereinsvertreter wurden im Jahr 2019 geschult, insgesamt wurden schon über 1100 Zertifikate an Vereine ausgestellt. Um den Verwaltungsnachwuchs in den Rathäusern frühzeitig für die Suchtvorbeugung und den Jugendschutz zu sensibilisieren, wurden bereits über 180 Auszubildende aus 17 Landkreiskommunen ausgebildet. Bei der Bildungsplattform „Qualifiziert engagiert“ werden spezielle Seminare für Ehrenamtliche angeboten. Die sogenannten „Kümmerer“ dienen als Schnittstelle zwischen Rathaus und Bürgern.

Neben dem Elternhaus und der Freundesgruppe sind die Schulen die wichtigste Sozialisationsumgebung für Heranwachsende: Unter dem Arbeitstitel „Suchtprävention auf Augenhöhe“ bietet ein Peer-to-Peer-Programm Schulungen für Schüler an. 37 Peergruppen aus zehn Landkreiskommunen wurden bereits ausgebildet. Für Lehrkräfte werden Seminare angeboten und ein Handlungsleitfaden soll Verantwortliche in Schulen befähigen, kompetent und handlungssicher mit konsumierenden Schülern umzugehen.

Um Alkoholkonsum in der Schwangerschaft vorzubeugen, wurde ebenso ein Fachkräftenetzwerk eingerichtet wie für den Themenbereich „Internet- und PC-Spielabhängigkeit“. „Für Jungen besteht im Gaming erhöhte Suchtgefahr, wogegen Mädchen im Bereich der Nutzung von sozialen Netzwerken auffälliger sind“, weiß Melanie Anthoni. Weil Kinder, die in suchtbelasteten Strukturen aufwachsen ein großes Risiko einer späteren Suchterkrankung haben wird ein besonderer Fokus auf die Unterstützung von Kindern aus suchtbelasteten Familien gelegt. Bei der Annahme, dass jedes siebte Kind zeitweise in einem suchtbelasteten Familiensystem lebt, sind im Landkreis Karlsruhe rund 10.500 Kinder und Jugendliche betroffen, machte Melanie Anthoni die Dimension deutlich. Aber auch ältere Menschen ab 60 Jahren haben ein erhöhtes Risiko, eine Suchterkrankung zu entwickeln oder einen Rückfall zu erleiden. Deshalb sind Altenhilfeplanung des Landkreises, die Pflegestützpunkte, die Arbeiterwohlfahrt als Vertreter für die Freien Träger und der Kreisseniorenrat im Austausch zur Entwicklung möglicher Präventionsangebote. Ein weiterer Baustein soll zukünftig die Prävention von Essstörungen sein.

Über die Arbeit der Suchtberatungsstellen im Landkreis Karlsruhe, die von verschiedenen Trägern und an mehreren Orten angeboten werden, berichtete der Leiter der Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH Andreas Wendlinger.