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Bunte Frühjahrsblüher

Naturschauspiel und Naturschutz zugleich

Ein farbenprächtiges Naturschauspiel ist in diesen Wochen in den Wäldern des Landkreises Karlsruhe zu beobachten: Alljährlich erfreuen bis spätestens Ende März bunte Blumen – sog. Frühjahrsblüher – die Waldbesuchenden mit ihren Farben. Mit den ersten Sonnenstrahlen tauchen zunächst einzelne Blüten in Weiß, Blau oder Gelb auf dem Waldboden auf. Schon wenige Tage später bilden sich ganze Teppiche aus Buschwindröschen, Lederblümchen und Schlüsselblumen über dem braunen Laub des Vorjahres. Das Forstamt des Landkreises Karlsruhe lädt die Waldbesucherinnen und Waldbesucher ein, sich an dieser Farbenpracht zu erfreuen, bittet aber gleichzeitig zu besonderer Achtsamkeit gegenüber den empfindlichen Pflänzchen. „Lassen Sie bei Ihren Spaziergängen den Blick über den Waldboden schweifen und genießen Sie den Anblick“, so Dr. Simon Boden, zuständig für den Bereich Waldnaturschutz. „Aber bitte pflücken Sie die Blümchen nicht!“ Viele Frühjahrsblüher stehen unter Naturschutz und haben nur ein sehr enges natürliches Zeitfenster, in dem sie blühen und sich vermehren können. Deshalb sollten sie immer an ihrem Standort belassen werden. Schon im Mai, wenn die Bäume mit frisch ausgetriebenen Blättern den Boden beschatten, muss von der Blüte bis zur Samenreife alles durchlaufen sein. Wenn die Baumkronen belaubt sind, erreichen nur noch Bruchteile des Tageslichts den Waldboden. Die meisten Arten ziehen sich dann wieder in die Erde zurück und warten auf ihren nächsten Auftritt im nächsten Frühling. Ein weiterer wichtiger Grund für den Schutz der kleinen Pflänzchen sind die Insekten: Insbesondere die Hummeln sind auf die Pollen und den Nektar der ersten Blüten angewiesen. Viele Frühjahrsblüher nutzen diese Fluginsekten zur Vermehrung. Hier spielen aber auch Ameisen eine Rolle: das Lederblümchen zum Beispiel lockt Ameisen mit einem duftenden Ölkörper am Samen an. Die Ameisen fressen nur die Ölkörper, transportieren jedoch die Samen und tragen dadurch zur Verbreitung bei. „Dies ist auch ein wichtiger Grund, warum viele verbotenerweise ausgegrabenen Waldpflanzen im Hausgarten gar nicht wachsen. Ihnen fehlen die spezifischen Bedingungen des Waldbodens“, ergänzt Dr. Boden.

Eine weitere geschätzte Wildpflanze sprießt aktuell ebenfalls aus dem Waldboden: der Bärlauch. Typisch ist der knoblauchartige Geruch, jedoch besteht Verwechslungsgefahr mit giftigen Herbstzeitlosen und Maiglöckchen, die jetzt ebenfalls an oft ähnlichen Stellen wachsen. „Die Bärlauchblätter sprießen an einem einzelnen Stängel aus dem Boden, beim Maiglöckchen wachsen hingegen immer zwei Blätter an einem Stängel. Der Verzehr von Maiglöckchen kann Erbrechen, Krämpfe und Kreislaufbeschwerden hervorrufen. Es bedarf also erhöhter Aufmerksamkeit beim Sammeln aufgrund Verwechslungsgefahr“, erklärt Forstamtsleiter Martin Moosmayer.

Im Landeswaldgesetz von Baden-Württemberg ist geregelt, dass nicht geschützte Wildkräuter im Umfang bis zu einem Handstrauß gepflückt werden dürfen. Ein Sammeln für gewerbliche Nutzung ist genehmigungsbedürftig. Die Naturschutzbestimmungen sind dabei in jedem Fall zu beachten.