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Keiner darf verloren gehen

Bundesweiter Fachtag beleuchtet aktuelle Corona-Situation Jugendlicher beim Übergang von der Schule in den Beruf

Mit den Lern-, Arbeits- und Lebensbedingungen von Jugendlichen in der Coronazeit und darüber hinaus haben sich rund 250 Teilnehmende aus ganz Deutschland aus den Bereichen Jugendpolitik, Jugendhilfe, Schule, Wirtschaft und Wissenschaft bei einem Online-Fachtag von Stadt- und Landkreis Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative am Montag, 17. Mai, beschäftigt. In vier Themenforen konnten die Teilnehmenden zahlreiche Best Practice-Projekte kennenlernen und sich inhaltlichen Input holen. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Landrat Dr. Christoph Schnaudigel appellierten bei der Eröffnung an die Landesregierung, die Bemühungen von Kommunen und Landkreisen, Schülerinnen und Schülern beim Übergang von der Schule in den Beruf in den kommenden Jahren zu unterstützen. Man müsse Partner auf Augenhöhe sein.

„Keiner darf verloren gehen“, so Landrat Christoph Schnaudigel. „Digitale Bildung ist der Schlüssel, das zeigt die Corona-Krise ganz offensichtlich“. Dafür müsse zunächst die technische Infrastruktur stimmen. Hier habe der Landkreis als Schulträger seine Hausaufgaben gemacht. „Doch die Bereitstellung von Technik allein reicht nicht aus. Es bedarf der Anstrengung aller Akteure, die Jugendlichen auf diesem Weg mitzunehmen und zu befähigen“. Deshalb habe man sich im Rahmen des Übergangs von der Schule in den Beruf innerhalb der Modellregion im Landkreis Karlsruhe auf den Weg gemacht, um jedem jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben, „indem wir sie bestmöglich auf die künftigen Anforderungen der digitalen Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten und damit einen guten Start in das Berufsleben ermöglichen", berichtete Landrat Dr. Christoph Schnaudigel vom Engagement im Landkreis Karlsruhe.

„Die Lern-, Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich während und nach der Corona-Pandemie nachhaltig verändert, ein Zurück in ‚alte Zeiten‘ wird es nicht geben“, betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup. Die Herausforderung sei es, aus der Krise für die Zukunft zu lernen, um Chancen für junge Menschen zu erkennen und umzusetzen. Eine sichere Begleitung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf sei nur über die persönliche Ansprache möglich. Ideal sei hier, dass die Stadt den Stadtjugendausschuss e. V. mit dieser Aufgabe beauftragt habe. Denn: „Die Jugendlichen kennen den Stadtjugendausschuss schon aus vielen anderen positiven Zusammenhängen“. An der Aufgabe der Landesverfassung, die Talente von Kindern und Jugendlichen maximal zu fördern, arbeite man schon seit Jahren. Dabei gehe es unter anderem um Inklusion, Sprachförderung oder IT-Kompetenz.

Sichtbar geworden in der Pandemie seien Engpässe beim Zugang ins Ausbildungssystem, machte der Weinheimer Oberbürgermeister a. D. und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative, Heiner Bernhard, deutlich. Bisherige Arbeits- und Zugangsweisen seien zwar vielerorts umgestellt worden. „Es darf aber bezweifelt werden, ob das überall gelungen ist.“ Er kritisierte das starre Gefüge von Zuständigkeiten im deutschen Bildungssystem. „Die Kommunen brauchen hier mehr Kompetenzen“, forderte er. „Wir brauchen eine bessere Schule, nicht irgendwann, sondern jetzt“. Die Rolle der Kommunen sei in den vergangenen Jahren schon deutlich gewachsen, besonders in Bereichen, in denen Bildungs- und Ausbildungsaktivitäten gestärkt worden seien.