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Integrationsberatung unter Pandemiebedingungen

Integrationsmöglichkeiten und Teilhabechancen zu Corona-Zeiten - Wie kann das funktionieren?

Um 09:00 Uhr hat Frau Kübra Günes, Integrationsmanagerin in der Gemeinde Waldbronn, den ersten Termin. Eine Klientin muss verschiedene Anträge stellen und braucht Hilfe beim Ausfüllen sowie Zusammensuchen der erforderlichen Unterlagen. Der direkte Kontakt ist in diesem Fall notwendig, um bedarfsorientiert helfen zu können. Parallel erhält Kübra Günes eine Nachricht auf ihrem Diensthandy: Eine Familie befindet sich in Quarantäne und die Windeln für das Kind sind aufgebraucht. Die Integrationsmanagerin kontaktiert eine ehrenamtliche Helferin der Gemeinde, die sich bereit erklärt, die benötigten Hygieneartikel zu besorgen. Der nächste Klient kommt mit seinem erfolgreich bestandenem B2-Sprachkurszertifikat und möchte sich nun um eine Ausbildung bemühen, um seinen Aufenthalt in Deutschland sichern zu können. Frau Kübra Günes kontaktiert den Jobcoach, einen ehrenamtlichen Helfer, der die Geflüchteten bei der Suche nach einer Ausbildung und im Bewerbungsprozess unterstützt. Am Nachmittag steht das Online-Meeting mit den Kolleginnen und Kollegen an. Hier tauscht man sich innerhalb des Raumschafts-Team aus, fachlicher Input sowie kollegiale Fallbesprechungen stehen auf der Tagesordnung. Im Schnitt bearbeitet die Integrationsmanagerin 15 Anfragen am Tag per E-Mail, Telefon, Messenger und persönlich. An manchen Tagen sind es bis zu 30 Anfragen. Hinzu kommt die Netzwerkarbeit, denn ohne Ansprechpartner bei Fachstellen, Kommunen und Ehrenamtlichen Helfern ist Integration nicht machbar.

Bei allem wird deutlich: Die Bedarfe und Problemlagen der Klienten hören während der Pandemie nicht auf. Im Gegenteil: Sprachbarrieren, wenige direkte Ansprechmöglichkeiten bei Regelangeboten, Jobverlust oder Homeschooling oft auf beengtem Raum und ohne ausreichende Internetverbindung machen die Präsenz der Integrationsberatung des Landkreises notwendig. Gerade die Funktion als Schnittstelle zwischen Regeldiensten, Behörden, Institutionen und den Neubürgern birgt viele Herausforderungen. Ein ums andere Mal braucht es auch Verständnisarbeit für die Lebensbedingungen und Bedarfe von Geflüchteten, aber auch für die Zwänge öffentlicher Verwaltungsabläufe. Durch die Ausstattung mit „Sicherheits-Kits“ - eine Ausrüstung zum persönlichen Schutz mit Masken, Selbsttests, Handschuhen sowie Flächen- und Handdesinfektionsmittel - wie auch unter Einhaltung der Corona- sowie Hygieneregeln kann der persönliche Kontakt zu den Klienten sichergestellt werden. Parallel dazu sind die digitalen Medien ein elementares Kommunikationsmedium geworden. Neben Altbekanntem wie E-Mails und Telefon werden nun auch Informationen per Integreat App in zehn Sprachen durch die Kreisintegrationsstelle zur Verfügung gestellt und Messengerdienste fungieren als niedrigschwelliges und pragmatisches Kommunikationsmittel. „Dies ersetzt die Tür-und-Angel-Gespräche“, berichtet Kübra Günes, „die normalerweise gerade bei der Arbeit in den Sammelunterkünften ein wichtiges Informations- und Kontaktmittel sind“. Die Erfahrung zeigt, dass diese Arbeitsweise funktioniert und die Klienten gut erreicht werden, gleichwohl braucht es viel Einsatzbereitschaft, fachliche Kompetenz und Beharrlichkeit, um seit mittlerweile über einem Jahr den Informationsfluss und vor allem die Beziehung zu den Klienten während der Pandemie aufrecht und intakt zu halten. „Aber das bringen wir alle mit“, schmunzelt die Integrationsmanagerin, „denn ohne kommt man nicht weit in der sozialen Arbeit. Trotzdem freuen wir uns auf die Zeit, wenn Corona nicht mehr alles überschattet.“ Die hohe Nachfrage an Informationen zur Coronaschutzimpfung und Unterstützung bei der Terminvereinbarung lassen auf ein baldiges Stück Normalität hoffen.