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Die Mistel - Weihnachtsschmuck mit Zauberkraft?

Schon der Druide Miraculix aus den Asterix-Bänden wusste es: Die Mistel verleiht besondere Kräfte und hat auch heilende Wirkungen. Und auch in der Vorweihnachtszeit hat die Mistel als immergrüne Pflanze mit Beerenbehang ihren festen Platz zum Schmücken der Räume, wie auch im Brauchtum. Ein Kuss unter einem Mistelzweig hat im englischsprachigen Raum eine besondere Bedeutung. Im Landkreis Karlsruhe kommt die Mistel vor allem im Oberrheingraben an Kiefern und Pappeln vor, im Schwarzwald vor allem an der Tanne. Von den weltweit rund 70 immergrünen Mistelarten ist bei uns nur die sogenannte Weißbeerigen Mistel vertreten. Die Beeren sind bei direktem Verzehr für den Menschen aber giftig. In den Hardtwaldungen des Landkreises tritt sie in Form der Kiefern-Mistel als eine Unterart der Weißbeerigen Mistel auf. In der Vorweihnachtszeit suchen erfahrene Sammler gezielt abgeschlossene Kiefernhiebe auf, um sich die begehrte Zierde zu sichern. Aus Sicht der Forstleute ist die Mistel ein eher ungebetener Gast im Wald, da sie den Bäumen erhebliche Schäden zufügt. Als sogenannte Aufsitzerpflanze parasitiert sie ihren Wirtsbaum. Die keimende Mistel-Pflanze gelangt durch das Dickenwachstum der Bäume an deren Leitungsbahnen und zapft diese sozusagen an, um sich vor allem mit Wasser selbst zu versorgen. Mit ihren grünen Blättern produziert sie ihre Nährstoffe über die Photosynthese selbst. Sie gilt daher als sogenannter „Halbschmarotzer“. „Gerade trockenheitsgestressten Bäumen verpasst die Mistel durch den zusätzlichen Wasserentzug den endgültigen Todesstoß“, erklärt Forstamtsleiter Martin Moosmayer. Verbreitet wird die Mistel hauptsächlich durch Vögel, vor allem der Drossel. Für diese sind die Beeren der Mistel eine wichtige Winternahrung. Der eigentliche Samen in den Beeren bleibt dabei erhalten und die Vögel können ihn über weite Entfernungen verbreiten. „Zum Leidwesen der Bäume gehört die wärmeliebende Mistel zu den Gewinnern im Klimawandel und ist vor allem in den Hardtwaldungen inzwischen fast auf jedem Baum zu finden, resümiert Moosmayer. „Der Umstand, dass sich die Mistel in der Krone ihrer Wirtsbäume befindet, macht eine Eindämmung des Parasiten unmöglich“.  Das Sammeln von Mistelzweigen in der Adventszeit wirkt sich aber nicht auf das Verbreitungsgeschehen der Mistel im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes aus. Jeder der Freude an diesem Zimmerschmuck mit seinen besonderen Eigenschaften hat, kann daher einen Mistelzweig aus dem Wald mitnehmen, wenn sich die Gelegenheit an einem gefällten Baum bietet.