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18.07.2025

Die Rechbergklinik Bretten und die Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal stehen vor steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen

Der neue medizinische RKH-Geschäftsführer Dr. Marc Nickel stellt sich vor

Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Krankenhäuser nehmen weiter zu. Kostensteigerungen, strukturelle Unterfinanzierung, wachsende Personalaufwendungen und nicht zuletzt die beschlossene Krankenhausreform erhöhen den Druck. Der Kreistag hat in seiner Sitzung, die am Donnerstag, 17. Juli, in der Becker-Halle in Karlsbad stattfand, die Finanzen und strukturellen Veränderungen der RKH Regionale Kliniken Holding und Services GmbH sowie der dazugehörigen Klinken des Landkreises Karlsruhe mit der Rechbergklinik Bretten und der Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal in den Blick genommen. Die Sitzung markierte zugleich den ersten Auftritt des neuen medizinischen RKH-Geschäftsführers Dr. Marc Nickel im Gremium. Sein Amt führt er seit Oktober 2024 aus. Er nutzte die Gelegenheit, um die drängenden Herausforderungen der kommenden Jahre anzusprechen, den eingeschlagenen Weg der Konsolidierung und die Perspektiven für eine nachhaltige Ausrichtung der Klinikstandorte Bruchsal und Bretten aufzuzeigen.

Die Holding der RKH Kliniken schließt das Geschäftsjahr 2024 mit einem Fehlbetrag von rund 283.000 Euro ab. Ursächlich hierfür sind insbesondere deutlich gestiegene Personalausgaben. Die Bilanzsumme liegt bei rund 13,8 Millionen Euro. Bei den Kliniken des Landkreises Karlsruhe (KLK) fällt der Jahresabschluss 2024 mit einem Fehlbetrag von rund 6,7 Millionen Euro erstmals nach einer längeren Zeit negativ aus. Im Vorjahr konnte noch ein Überschuss von 1,2 Millionen Euro erzielt werden. Das Ergebnis spiegelt die anhaltende Schieflage im Vergütungssystem wider: Das Missverhältnis zwischen schnell steigenden Kosten und stagnierenden Einnahmen belastet die Klinikbetriebe. Zwar stieg die Zahl stationär behandelter Patientinnen und Patienten auf rund 21.100 Fälle leicht an, doch ging die durchschnittliche Fallschwere am Standort Bruchsal spürbar zurück. Im ambulanten Bereich hingegen wurden rund 56.500 Behandlungen durchgeführt – ein Plus von mehr als 3.000 gegenüber dem Vorjahr. Die Geschäftsführung wurde für das Jahr 2024 entlastet.

Die Jahresabschlüsse verdeutlichen, wie tiefgreifend die Belastungen sind. Es wurden wesentliche Schritte unternommen, um eine strategische Neuausrichtung der gesamten RKH Holding einzuleiten, wovon letztlich auch die Landkreis-Kliniken profitieren. „Die Kliniken müssen seit Jahren mit immer neuen Reformen und gesetzlichen Vorgaben umgehen. Die wirtschaftliche Situation wird gleichzeitig immer bedrückender, auch wenn die beiden Landkreiskliniken bislang finanziell noch solide dastehen und die Mitarbeitenderinnen und Mitarbeiter eine hervorragende Arbeit leisten. Langfristig fordet die Lage aber, dass sich die Kliniken in ihrer Führungsstruktur anpassen, um alle Aufgaben mit ausreichend Ressourcen und Fachwissen zu lösen“, betont Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und unterstützt damit die Neuausrichtung der RKH Holding. „Die angespannte finanzielle Situation darf nicht darüber hinweg täuschen, wie bedeutend die RKH Klinikstandorte abseits der Großstädte für die Bevölkerung sind.“

Der Bundesrat hat die Bundesregierung aufgefordert, den Kliniken durch einen Zuschlag entgegenzukommen. Dieses Signal könnte den wirtschaftlichen Druck mindern und zur strukturellen Stabilisierung beitragen. Unabhängig von externer Unterstützung hat die RKH Holding ein umfassendes Konsolidierungsprogramm aufgelegt, das auf eine nachhaltige wirtschaftliche Sanierung abzielt. Kurzfristige Sparmaßnahmen werden mit einer abgestimmten Unternehmensstrategie und einer modernisierten Führungsstruktur kombiniert. Das Programm zielt darauf ab, die Betriebe wieder zu stabilisieren. Zur Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung hatte der Landkreis im Rahmen seines Betrauungsakts auch im Jahr 2024 umfangreiche finanzielle Leistungen erbracht. So wurden rund 5,6 Millionen Euro für Zins- und Tilgungszahlungen zur Verfügung gestellt. Für das kommende Jahr 2025 ist eine Finanzierungslücke von etwa 1 Million Euro absehbar. Der Landkreis hatte bereits angekündigt, aufgrund der angespannten Haushaltslage keine weiteren direkten Erstattungen im laufenden Jahr vorzusehen.

Lobend erwähnenswert, so Landrat Dr. Schnaudigel, seien die aufgestockten Landesförderungen für die Kliniken 2025. Das Land Baden-Württemberg stellt im Doppelhaushalt 2025/2026 insgesamt rund 1,065 Milliarden Euro für die Investitionsförderung der Krankenhäuser bereit. Zusätzlich fließen 300 Millionen Euro aus einem Sofortprogramm für 2024/2025 ein. Zudem wird nun endlich der Landesbasisfallwert 2025 um 4 Prozent angepasst, was lange Forderung der Krankenhäuser und der kommunalen Seite war. Sollte das Geschäftsjahr 2025 sonst planmäßig verlaufen, dürfte sich diese Fördererhöhung und die Erhöhung des Landesbasisfallwert positiv auf das negativ geplante Jahresergebnis (Plan 2025: -3,9 Millionen Euro) auswirken.

Der Kreistag stimmte außerdem einer Neufassung des Gesellschaftsvertrags der KLK zu. Die Änderungen orientieren sich an der neuen Führungsstruktur innerhalb der RKH-Holding, die bereits Ende 2024 beschlossen wurde. Ziel ist eine einheitliche Ausgestaltung der Gesellschaftsverträge über alle Klinikgesellschaften hinweg. Dazu gehört unter anderem eine klare Definition der Zuständigkeiten des Aufsichtsrats sowie die explizite Möglichkeit, Kooperationen zwischen den Gesellschaftern einzugehen. Die Anpassungen wurden zuvor vom Aufsichtsrat und dem Verwaltungsausschuss einstimmig zur Beschlussfassung empfohlen. Der Landrat wurde bevollmächtigt, die entsprechenden Beschlüsse in der Gesellschafterversammlung zu fassen.

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