Der Landkreis Karlsruhe investiert in seine Schulinfrastruktur
Ein neuer Schulkindergarten und regenerative Wärmeversorgung verbessern die Bildungsinfrastruktur
Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 15. Oktober im Panoramasaal der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft in Karlsruhe, mit zwei Bauvorhaben des Landkreises Karlsruhe in der Schullandschaft befasst. Neben dem Grundsatzbeschluss für den Neubau des Schulkindergartens der Hardtwaldschule in Linkenheim-Hochstetten wurde die Umstellung der Wärmeversorgung der Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad auf regenerative Energien beschlossen. Beide Vorhaben sollen die Bildungsinfrastruktur des Landkreises stärken und zukunftsfähig weiterentwickeln.
Das Landratsamt Karlsruhe plant, den bislang in der Karlsruher Nordstadt untergebrachten Schulkindergarten der Hardtwaldschule auf einer Fläche in Linkenheim-Hochstetten neu zu errichten – zusammen mit dem Neubau der Hardtwaldschule selbst. Das hat der Ausschuss für Umwelt und Technik als Grundsatzbeschluss festgelegt und die Verwaltung mit der Vergabe der erforderlichen Architekten- und Ingenieurleistungen beauftragt. Für das Vorhaben soll ein rund 890 Quadratmeter großes Grundstück südlich der Schulerweiterungsfläche erworben werden. Der geschätzte Kaufpreis beträgt rund 589.000 Euro, der Kaufvertragsentwurf befindet sich in der abschließenden Abstimmung mit der Gemeinde. Geplant ist ein eingeschossiger Holzbau mit rund 385 Quadratmetern Bruttogrundfläche ohne Unterkellerung. Im Neubau soll zusätzlich eine Beratungsstelle mit Testzentrum eingerichtet werden. Das vom Regierungspräsidium Karlsruhe zugrunde gelegte Raumprogramm sieht insgesamt einen Flächenbedarf von bis zu 181 Quadratmetern vor. Vorgesehen sind außerdem ein gemeinsamer Außenbereich und ein separater Rückzugsbereich. In der Nachbarschaft befindet sich eine kommunale Kindertageseinrichtung mit fünf Gruppen. Die Gebäude bleiben eigenständig, nutzen jedoch gemeinsame Bereich.
Die Gesamtkosten werden auf rund 3,1 Millionen Euro geschätzt. Darin enthalten sind Grundstück, Gebäude, technische Anlagen, Außenanlagen, Ausstattung und Baunebenkosten sowie Zuschläge für Baupreis- und Regionalfaktoren und ein Risikopuffer. Der Landkreis will Schulbauförderung beantragen und weitere Fördermöglichkeiten prüfen. In der Haushaltsplanung sind für 2027 rund 1,3 Millionen Euro, für 2028 rund 1,7 Millionen Euro und für 2029 rund 100.000 Euro vorgesehen. Für die Architektenleistungen sollen drei Büros zur Angebotsabgabe aufgefordert werden, darunter das bereits mit der Planung der Hardtwaldschule beauftragte Büro. Dadurch sollen Synergien genutzt und die Planungen gebündelt werden. Über den Baubeschluss soll der Ausschuss bei seiner Sitzung am 18. März 2027 entscheiden. Der Baubeginn ist für Oktober 2027, die Fertigstellung zum Schuljahr 2028/2029 geplant.
Auch die Wärmeversorgung der Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad soll erneuert werden. Die rund 30 Jahre alte Anlage ist zunehmend störanfällig und nach Abschluss der umfassenden energetischen Sanierung im Jahr 2024 überdimensioniert. Die neue Anlage soll dem gesunkenen Energiebedarf angepasst werden. Das Landratsamt hat gemeinsam mit der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe im Oktober 2024 eine Projektskizze für das Bundesförderprogramm „Investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ eingereicht. Ziel ist ein innovatives, bundesweit übertragbares Energiekonzept, das fossile Energieträger ersetzt und die besonderen Anforderungen der Schule berücksichtigt. Nach Einreichung des Förderantrags im August 2025 wurde das Projekt in das Förderprogramm aufgenommen, im Dezember 2025 erging der Zuwendungsbescheid. Seit der Übergabe des Förderbescheids im Mai 2026 wurden die technischen Rahmenbedingungen konkretisiert und Wirtschaftlichkeit sowie Umsetzbarkeit weiter untersucht. Das Gremium hat die Modellprojektförderung durch das Bundesumweltministerium begrüßt, die grundsätzliche Umsetzung einer regenerativen Wärmeerzeugung beschlossen und die Verwaltung mit der Durchführung der VgV-Verfahren zur Vergabe der erforderlichen Ingenieurleistungen beauftragt.
Das Konzept kombiniert zwei Sole-Wasser-Wärmepumpen mit zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen. Ein Erdsondenfeld mit 24 jeweils rund 210 Meter tiefen Sonden erschließt die Erdwärme. Pufferspeicher sollen einen geregelten und redundanten Betrieb für die Schule und das Therapiebad gewährleisten. Die Anlage ermöglicht neben dem Heizen auch die Temperierung der Räume im Sommer und soll so zu geeigneten Lern- und Betreuungsbedingungen bei zunehmender Hitze beitragen. Der Strombedarf der Wärmepumpen soll durch Photovoltaikanlagen auf den vorhandenen Dachflächen gedeckt werden. Die Umsetzung der PV-Anlage ist über eine Bürgerenergiegenossenschaft vorgesehen. Mit dem Modellprojekt sollen die Treibhausgasemissionen der Wärmeerzeugung um rund 95 Prozent sinken. Die laufenden Energiekosten reduzieren sich um etwa 50 Prozent und es werden rund 300 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart. Die Gesamtkosten liegen bei rund 1,9 Millionen Euro. Dem stehen Bundesfördermittel von rund 1,32 Millionen Euro gegenüber, sodass der Eigenanteil des Landkreises rund 580.000 Euro beträgt. Die Förderung umfasst 70 Prozent der förderfähigen Kosten.