Medien sicher nutzen
Medienzeiten und Medienregeln
Medien sind ein selbstverständlicher Teil des Alltags von Kindern. Wichtig ist dabei: Das „Wo“ und das „Was“ sind oft wichtiger als die reine Zeitdauer. Entscheidend ist, ob Medien gemeinsam oder allein genutzt werden, in welchem Umfeld sie stattfinden und ob die Inhalte altersgerecht sind.
Medienzeiten als Orientierung
Empfohlene Medienzeiten können Eltern eine erste Orientierung geben, sind aber keine festen Vorgaben. Als grobe Richtwerte können gelten:
- Unter 3 Jahren: möglichst keine Bildschirmmedien
- 3–6 Jahre: bis ca. 30 Minuten am Tag
- Grundschulalter: etwa 45–60 Minuten am Tag
- Ab Klasse 5: bis ca. 60–90 Minuten am Tag
- Ab Klasse 7: bis etwa 90–120 Minuten am Tag
Diese Zeiten beziehen sich auf Bildschirmmedien insgesamt und sollten immer im Zusammenhang mit dem Alltag des Kindes betrachtet werden.
Ort und Begleitung
Gerade für jüngere Kinder gilt: Gemeinsame Mediennutzung ist der Alleinnutzung vorzuziehen. Medien sollten zunächst in gemeinsamen Lebensbereichen wie dem Wohnzimmer stattfinden. Eigene Geräte oder unbeaufsichtigte Nutzung sind in frühen Jahren in der Regel nicht sinnvoll.
Mit zunehmendem Alter können Kinder schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Klare Absprachen, altersgerechte Inhalte und ein regelmäßiger Austausch über Medienerlebnisse bleiben jedoch wichtig. Medienregeln geben Kindern Orientierung und Sicherheit.
Art der Medien
Nicht alle Medien wirken gleich. Sehr schnelle Clips oder Spiele mit häufigen Reizwechseln können Kinder unruhig machen. Längere Formate wie Filme, Hörspiele oder vertiefte Spiele ermöglichen es Kindern eher, bei einer Sache zu bleiben. Nach sehr schnellen Medienangeboten kann eine Pause oder Bewegung sinnvoll sein, bevor es an Hausaufgaben oder ins Bett geht.
Medienfreie Zeiten und Ausgleich
Unabhängig vom Alter empfiehlt es sich, medienfreie Zeiten und Orte festzulegen. Bildschirmmedien sollten insbesondere nicht rund um Schlafenszeiten und nicht im Bett genutzt werden. Wichtig ist außerdem, dass Mediennutzung im Gleichgewicht mit anderen Aktivitäten steht: Bewegung, freies Spiel, Lesen, soziale Kontakte sowie Aufgaben aus Schule und Alltag brauchen ausreichend Raum.
Medienzeiten und -regeln sollen unterstützen, nicht ersetzen: Eltern kennen ihr Kind am besten und können Regeln anpassen, wenn sie merken, dass Medien ihrem Kind guttun oder es eher belasten.
Um gemeinsam über Regeln zu sprechen, bietet sich die Seite Mediennutzungsvertrag an.
Social Media
Was macht Social Media so reizvoll?
- Unterhaltung
- soziale Interaktion
- Gemeinschaftsgefühl, Unterstützung
- Selbstausdruck, Kreativität
- Identitätsbildung
- Informationsbeschaffung
Wovor sollten Kinder und Jugendliche auf Social-Media-Plattformen geschützt werden?
- Verlust/Preisgabe von Privatsphäre (inkl. des Aufenthaltsortes)
- jugendgefährdende Darstellungen
- Zeitfaktor:
- „Infinite Scrolling“(am Ende einer Seite werden immer weitere, neue Inhalte angezeigt)
- Funktionsweise von Algorithmen: Es werden immer mehr von den Inhalten angezeigt, an denen man Interesse zeigt oder mit denen man interagiert.
- schnelle Bedürfnisbefriedigung
- Reizüberflutung; „Brainrot“ (Jugendwort, das die negativen Auswirkungen von Social Media auf das Denk- und Konzentrationsvermögen und das psychische Wohlbefinden bezeichnet)
- Suchtfaktor
- Vergleichsdruck, ungesunde Rollenbilder und Körperideale
- Fake News, Deepfakes, Extremismus, Emotionalisierung von Inhalten
- Cybergrooming (Manipulation Minderjähriger mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs)
- Werbedruck und intransparentes Marketing
- Website-Empfehlung: Medien-Kindersicher
Was können wir als Eltern tun?
- Zur Orientierung: Ein Kind, das die Gefahren von Social-Media-Plattformen (noch) nicht richtig einschätzen kann, ist nicht alt genug für deren Nutzung.
- Beachten Sie die Altersgrenze der jeweiligen Plattform und nutzen Sie Kinder- bzw. Teenagerkonten.
- Überprüfen Sie die Einstellungen der jeweiligen App.
- Thematisieren Sie gegenüber Ihrem Kind Privatsphäre und den Datenschutz auf Social-Media-Plattformen. Stellen Sie Fragen zur Reflexion: „Würdest du dich damit wohl fühlen, wenn all deine Kommentare, Fotos und sonstige Informationen, die du auf die Plattform stellst, in der Schule oder auf der nächsten Familienfeier ausgestellt werden würden?“
- Zeigen Sie Interesse und probieren Sie die Apps selbst aus.
- Kommunizieren Sie mit ihrem Kind (nicht verurteilend), auch über Ihre eigenen Befürchtungen.
- Setzen Sie einen zeitlichen Rahmen für die Nutzung von bestimmten Apps.
- Seien Sie selbst ein Vorbild in der Nutzung digitaler Medien.
- Website-Empfehlungen zu Social Media:
Gaming
Was macht Gaming so reizvoll?
- Unterhaltung
- Gemeinschaftsgefühl
- Kompetenzentwicklung (z. B. Teamfähigkeit, Problemlösefähigkeit, räumliche Orientierung, strategisches Denken, Auge-Hand-Koordination, Reaktionsfähigkeit)
Wovor sollten Kinder und Jugendliche beim Gaming geschützt werden?
- In-App-/In-Game-Käufe; „Pay-to-win“ (Möglichkeit, echtes Geld auszugeben, um sich spielerische Vorteile zu erkaufen)
- „Gamblification“ (Integration von Glückspielmechanismen)
- „Stickiness“ (Fähigkeit einer Seite, Besucher für lange Zeit zu binden)
- „Dark Patterns“ (manipulatives Design in Benutzeroberfläche)
- Reizüberflutung und schnelle Bedürfnisbefriedigung
- jugendgefährdende Darstellungen (z. B. Sex, Gewalt)
- Zeitfaktor
- Suchtfaktor
- Betrug durch die Möglichkeit, virtuelle Gegenstände oder Währungen zu transferieren
- Cybergrooming (Manipulation Minderjähriger mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs) durch Chatmöglichkeit
Was können wir als Eltern tun?
- Zur Orientierung: Ein Kind, das die Gefahren von Chats mit Unbekannten (noch) nicht richtig einschätzen kann, ist nicht alt genug für deren Nutzung.
- Spielen Sie gemeinsam mit ihrem Kind (digital und nicht digital).
- Sprechen Sie mit ihrem Kind (nicht verurteilend) über die jeweiligen Spiele und Erfahrungen. Kommunizieren Sie dabei auch eigene Befürchtungen.
- Sprechen Sie auch über Medienorte, zum Beispiel dass nur im Wohnzimmer (statt im Kinderzimmer) gespielt wird. (Tipp: Je jünger das Kind ist, desto größer sollte der Bildschirm sein, sodass auch Sie sehen können, was im Spiel passiert.)
- Wählen Sie gemeinsam geeignete Spiele aus. Eine Einschätzung zu Spielen finden Sie auf der Seite Spieleratgeber-NRW Kaufen Sie Spiele, statt kostenlose zu nutzen, da vor allem kostenlose Spiele problematische Mechanismen wie Gamblification, Stickiness oder Dark Patterns verwenden.
- Setzen Sie einen klaren Rahmen für das Spielen (z. B. zeitliche Begrenzung, feste Spielorte)
- Bieten Sie Alternativen an und motivieren Sie Ihr Kind zu weiteren Aktivitäten.
- Seien Sie selbst ein Vorbild in der Nutzung digitaler Medien.
Messenger-Dienste
Was macht Messenger-Dienste so reizvoll?
- Kommunikation
- Gruppendruck
- soziale Einbindung
Wovor sollten Kinder und Jugendliche beim Nutzen von Messenger-Diensten geschützt werden?
- jugendgefährdende (z. B. pornographische oder gewalthaltige) Inhalte
- strafbare (z. B. verfassungswidrige) Inhalte
- Cybermobbing
- Zeitaufwand
- „FOMO“ (= die Angst davor, etwas Wichtiges verpassen zu können)
Was können wir als Eltern tun?
- Zur Orientierung: Ein Kind, das die Gefahren von Messenger-Diensten (noch) nicht richtig einschätzen kann, ist nicht alt genug für deren Nutzung.
- Wählen Sie gemeinsam mit ihrem Kind einen Messenger-Dienst aus und schlagen Sie dabei auch die Nutzung alternativer, geeigneterer Messenger-Dienste vor.
- Stellen Sie altersangemessene Regeln auf. Kündigen Sie diese Ihrem Kind offen an, z. B. dass Sie bei jungen Kindern auch einen Einblick in diese Apps und deren Chatverläufe haben werden. Später können Sie sich auf einen Blick über die Anzahl von Chats, Gruppen und Nachrichten beschränken.
- Kommunizieren Sie mit ihrem Kind: Sprechen Sie über potenzielle Gefahren und Ihre eigenen Befürchtungen.
- Tauschen Sie sich mit anderen Eltern über die Nutzung der jeweiligen Apps (z. B. auch über die Bedingungen von Gruppenchats) aus.
- Seien Sie selbst ein Vorbild in der Nutzung digitaler Inhalte. Das setzt voraus, dass Sie sich mit den Gefahren oder App-Einstellungen ausreichend auskennen und so Vorkehrungen treffen können (z. B. Gruppenzugehörigkeit begrenzen, automatisches Herunterladen von Videos und Fotos deaktivieren).
- Auf Medien-Kindersicher bekommen Sie konkrete Anleitungen, zur sicheren Einstellung von Apps und Geräten.
Streaming
Was macht Streaming so reizvoll?
- Unterhaltung
- Bequemlichkeit
- Individualität (Jeder kann auf einem eigenen Medium das anschauen, was ihn interessiert.)
- Verfügbarkeit
- Gemeinschaftsgefühl (z. B durch Austausch über populäre Serien und Filme)
Wovor sollten Kinder und Jugendliche beim Streaming geschützt werden?
- ungeeignete oder überfordernde Inhalte (z. B. Gewalt, Sex, Extremismus, sonstige verstörende Inhalte)
- überfordernde Inhalte, z. B. Komplexität, Themenauswahl, Ironie/Satire (Zur Orientierung: Ein Kind, das viele Fragen stellen müsste, um das Gesehen wirklich zu verstehen und einzuordnen, ist überfordert.)
- reizüberflutende Inhalte aufgrund schneller Bildfolgen
- Werbung
- übermäßiger Konsum und Abhängigkeit (auch bei kindgerechtem Content: Vorsicht vor sinnlosem Konsum von inhaltsleeren Videos)
Was können wir als Eltern tun?
- Es geht nicht nur darum, wie lange Medien genutzt werden, sondern auch wie: Konsumieren Sie diese gemeinsam mit Ihrem Kind und sprechen Sie über die Inhalte und Emotionen. So können Sie auch zukünftig besser einschätzen, welche Inhalte für Ihr Kind angemessen sind.
- Wählen Sie geeignete Inhalte aus (alltagsnah, entschleunigte Schnittfrequenz, sinnvolle Handlungen und Themen). Eine wertvolle Hilfe bei der Auswahl bieten die beiden Seiten www.flimmo.de und www.kinderfilmwelt.de
- Nutzen Sie technische Schutzmaßnahmen (z. B. Kindersicherungen, Deaktivierung des Autoplay).
- Üben Sie mit Ihrem Kind Selbstregulation ein.
- Nutzen Sie das Video-Streaming nicht nur zum Konsum, sondern auch zur Anregung. So können Sie Ihr Kind dazu animieren, ausgehend vom Thema weitere Aktivitäten zu finden (z. B. ein Bild zum Film malen oder basteln, eine Fortsetzung schreiben, einen passenden Ausflug unternehmen).
- Bieten Sie Ihrem Kind Alternativen an und motivieren Sie es, Hobbys zu entfalten.