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06.11.2026

Der Landkreis entwickelt den Busverkehr und die Elektromobilität weiter

Projekte der Schieneninfrastruktur stehen auf der Kippe

Der Landkreis Karlsruhe arbeitet daran, den Öffentlichen Personennahverkehr leistungsfähig, wirtschaftlich und klimafreundlich weiterzuentwickeln. Im Verwaltungsausschuss, der am Donnerstag, 5. November, im Panoramasaal der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft stattfand, standen gleich mehrere Themen hierzu auf der Tagesordnung: die Neuvergabe des Busverkehrs im Linienbündel Kraichtal, Optimierungsmöglichkeiten im Schulverkehr, die Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur sowie die Bilanz des Einsatzes von Elektrobussen.

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2027 werden die Busverkehre im Linienbündel Kraichtal neu vergeben. Die Linien 134 bis 139 verbinden Orte in der Region, darunter Östringen, Odenheim, Oberöwisheim, Münzesheim und Menzingen. Ergänzend sind zwei neue bedarfsgesteuerte MyShuttle-Angebote vorgesehen: eines für das gesamte Stadtgebiet Östringen und eines für Kraichtal einschließlich aller Stadtteile. Die Vertragslaufzeit soll neun Jahre betragen, mit einer einmaligen Verlängerungsoption um zwölf Monate. Endgültig entscheiden wird darüber der Kreistag. Auch der Schulverkehr soll optimiert werden. Der Landkreis und der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) prüfen hier Verbesserungen sowohl vor Neuvergaben als auch im laufenden Betrieb. Änderungen bei Unterrichts- und Läutezeiten können weitreichende Auswirkungen auf die Fahrpläne haben und zusätzliche Kosten verursachen. Deshalb sollen Kommunen und Schulen geplante Änderungen frühzeitig mit dem KVV abstimmen. Das Gremium nahm den Bericht hierzu zur Kenntnis.

Der Landkreis setzt seit Ende 2021 Elektrobusse im Linienverkehr ein. Mittlerweile sind 27 Fahrzeuge unterwegs, bis Ende des Jahres sollen elf weitere hinzukommen. Die Umstellung zeigt Wirkung: Die fünf Busse im Linienbündel Ettlingen I legten zusammen rund 325.000 Kilometer zurück und vermieden etwa 400 Tonnen CO₂. Die fünf Fahrzeuge im Linienbündel Pfinztal/Albtal kamen auf rund 245.000 Kilometer und sparten weitere 300 Tonnen CO₂ ein. Gegenüber vergleichbaren Dieselbussen wurden die Emissionen in beiden Linienbündeln um rund 95 Prozent reduziert, was zu einer besseren lokalen Luftqualität beiträgt. Ein weiterer Vorteil sind auch die geringeren Lärmemissionen. Eine Herausforderung bleibt, an geeigneten Standorten ausreichende Stromkapazitäten für das Laden bereitzustellen.

Neben der Elektromobilität will der Landkreis auch die Infrastruktur der Schiene weiter ausbauen. Zwischen Karlsruhe und Bretten sollen mehrere bisher eingleisige Abschnitte der Linie S4 zweigleisig ausgebaut werden. Ziel ist es dabei vor allem, durch einen zusätzlichen Zug pro Stunde und Richtung Verspätungen und Zugausfälle zu reduzieren. Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) bereitet derzeit die Planfeststellungsunterlagen vor. Die Bauarbeiten sind für 2028 vorgesehen. Prognostiziert werden Kosten von rund 130 Millionen Euro für Planung und Bau, die Finanzierung über Fördermittel wird geprüft. Das Gremium nahm das Vorgehen zur Kenntnis.

Für Unverständnis sorgte, dass das Land Baden-Württemberg die Reaktivierungsmaßnahmen „Ettlingen West- Ettlingen Erbprinz“ sowie die Reaktivierung der nördlichen Hardtbahn nicht weiterverfolgen will. Für die geplante Streckenreaktivierung „Ettlingen West–Ettlingen Erbprinz“, hat der Landkreis bereits Planungsmittel in erheblicher Höhe eingesetzt. Der Verwaltungsausschuss beschloss deshalb, noch einmal mit dem Verkehrsministerium das Gespräch zu suchen, um mehr Klarheit über die Förderperspektive zu bekommen. Dem gegenüber soll – auch wegen derzeit zu erwartender Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz – die Reaktivierung der nördlichen Hardtbahn zwischen Hochstetten und Graben-Neudorf vorerst zurückgestellt werden. Denn neben der fehlenden Förderperspektive bestehen bei dieser Maßnahme auch erhebliche bauliche und umweltrechtliche Herausforderungen. Die geschätzten Baukosten liegen je nach Variante zwischen 114 und 140 Millionen Euro. Eine erneute Bewertung soll erfolgen, wenn sich die Rahmenbedingungen wesentlich verändern. Darüber hinaus beschloss das Gremium, die Tarifkooperation zwischen dem Karlsruher Verkehrsverbund und dem Heilbronner-Hohenloher-Haller-Nahverkehr zu beenden. Die Vereinbarung ermöglicht bislang die Anerkennung bestimmter Fahrscheine auf der Schiene zwischen Eppingen und Bretten. Da sie inzwischen nur noch wenig genutzt wird, steht der Aufwand nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen. Es werden Einsparungen von rund 30.000 Euro jährlich erwartet.

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