Situation und Perspektiven von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund im Landkreis Karlsruhe
Der Jugendhilfe- und Sozialausschuss hat sich in seiner Sitzung am Montag, 21. September in der Sporthalle der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee mit der Situation von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund im Landkreis Karlsruhe befasst. Im Fokus standen das Integrationsmanagement des Landkreises sowie die Arbeitsmarktintegration. Die Zugangszahlen von Geflüchteten in den Landkreis Karlsruhe befinden sich auf einem niedrigen Niveau: Von Januar bis Juli wurden 134 Personen zugewiesen und damit weniger als prognostiziert. Bei den Flüchtlingen aus der Ukraine wurde das zwischenzeitliche Aufnahmeplus abgeschmolzen und es wird mit vier Personen pro Monat gerechnet.
Das Integrationsmanagement ist seit 2017 wichtiger Bestandteil der kommunalen Integrationsarbeit in Baden-Württemberg. Im Landkreis Karlsruhe begleitet es momentan fast 2.500 Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Die Beratung ist auf drei Jahre angelegt. Ziel ist nicht eine dauerhafte Begleitung, sondern die schrittweise Verselbstständigung, so dass die Menschen zunehmend in der Lage sein sollen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, Behörden und andere Institutionen eigenständig zu kontaktieren und bestehende Angebote zu nutzen. Gemeinsam mit den Ratsuchenden werden Ziele und konkrete Schritte vereinbart. Dabei geht es unter anderem um das Erlernen der deutschen Sprache, Bildung und Ausbildung, den Zugang zum Arbeitsmarkt sowie um die Anbindung an die jeweils zuständigen Beratungs- und Unterstützungsangebote.
Dem Gremium wurde aufgezeigt, dass die Beratungsangebote in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt wurden und, dass es neben zentralen Beratungsstandorten und regelmäßigen Sprechstunden in den Kommunen, Angebote in den Dienstleistungszentren und Jobcentern gibt. Seit diesem Jahr ergänzt zudem das „Virtuelle Amt“ die persönliche Beratung. Dadurch können Anliegen auch digital und flexibel geklärt werden. Antragsworkshops unterstützen Ratsuchende außerdem dabei, den Umgang mit Behörden und Anträgen Schritt für Schritt selbst zu erlernen.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Weiterentwicklung der Beratungsstruktur gut angenommen wird. Gleichzeitig zeigen die Auswertungen, dass sich während der Beratungszeit wichtige Integrationsschritte entwickeln, Sprachkenntnisse verbessern, Bildungs- und Qualifizierungsangebote stärker genutzt werden und auch der Anteil der Menschen in beruflicher Beschäftigung steigt.
Auch die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten schreitet voran. Der Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Karlsruhe Rolf Martin berichtete, dass binnen sechs Jahre nach ihrer Ankunft knapp die Hälfte der Menschen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern erwerbstätig ist. Bei den aus der Ukraine geflüchteten Menschen verläuft die Integration in den Arbeitsmarkt schneller; hier ist die Hälfte bereits nach rund dreieinhalb Jahren in Beschäftigung.
Wichtige Partner sind hier die Städte und Gemeinden. In mehreren Kommunen wurden Arbeitsgelegenheiten für Geflüchtete geschaffen und Möglichkeiten geboten, erste berufliche Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und sich aktiv einzubringen. Für diesen Ansatz wurde der Landkreis Karlsruhe vom Land Baden-Württemberg als Best-Practice-Beispiel hervorgehoben. Auch Unternehmen werden gezielt angesprochen und bei der Beschäftigung von Zugewanderten unterstützt.
Darüber hinaus leisten ehrenamtliche Jobcoaches einen wichtigen Beitrag. In vielen Kommunen unterstützen sie Zugewanderte bei der Suche nach Arbeit, Ausbildung und Praktika und stellen Kontakte zu Unternehmen her.
Eine besondere Aufmerksamkeit gilt der Arbeitsmarktintegration von Frauen mit Flucht- und Zuwanderungsgeschichte. Die Kreisintegrationsstelle arbeitet deshalb gemeinsam mit Jobcenter und Agentur für Arbeit an speziellen Angeboten, darunter Jobmessen und speziell zugeschnittene Veranstaltungen.
Die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund ist damit nicht nur eine Frage gelingender Integration, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Landkreises. Angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftebedarfs gilt es, vorhandene Kompetenzen zu erkennen, weiterzuentwickeln und den Zugang zu Ausbildung und Beschäftigung zu erleichtern.