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24.07.2026

Landkreis Karlsruhe und Raion Winnyzja wollen voneinander lernen

Delegationsbesuch aus der Ukraine endet mit Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung in Kreistagssitzung

Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung im Rahmen der Kreistagssitzung in der Schlossgartenhalle in Ettlingen haben der Landkreis Karlsruhe und der ukrainische Raion Winnyzja am Donnerstag, 23. Juli, dokumentiert, dass sie zusammenarbeiten und voneinander lernen wollen. Zum Abschluss eines viertägigen Delegationsbesuchs bekräftigten Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und Delegationsleiter Igor Shutak den Willen, den fachlichen Austausch weiter auszubauen. Zuvor hatte der Bezirksratsvorsitzende von Winnyzja die Kreisrätinnen und Kreisräte aus erster Hand über die Situation in der Ukraine informiert.
„Diese Zusammenarbeit ist weit mehr als ein Zeichen der Solidarität. Wir schaffen eine Plattform für den fachlichen Austausch und für Projekte, von denen beide Regionen profitieren können. Gerade im Bevölkerungsschutz und in der kommunalen Daseinsvorsorge ist der Blick über die eigenen Grenzen hinaus ein enormer Gewinn“, betonte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel anlässlich der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung.

Vom 20. bis 24. Juli besuchte die vierköpfige Delegation aus der Raion-Verwaltung den Landkreis Karlsruhe. Im Mittelpunkt standen die Themen Bevölkerungsschutz, Feuerwehrwesen und Abfallwirtschaft. Auf dem Programm standen unter anderem die Integrierte Leitstelle Karlsruhe, mehrere Feuerwehren, die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg sowie das Katastrophenschutz- und Einsatzmittellager des Landkreises. Die ukrainischen Gäste erhielten Einblicke in Organisation, Ausbildung und Einsatzpraxis der Feuerwehren und hatten Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen.

Auch im Bereich der Abfallwirtschaft fand ein Austausch statt. Beim Besuch der PreZero Recycling Süd GmbH Sortieranlage in Ölbronn wurden Fragen der Entsorgung, Deponierung sowie der Aufrechterhaltung kommunaler Infrastruktur unter schwierigsten Rahmenbedingungen erörtert.

Dank einer Bundesförderung durch Engagement Global konnten nicht nur wesentliche Teile des Besuchs finanziert werden, sondern diese ermöglichte auch, drei zur Aussonderung vorgesehene Feuerwehrfahrzeuge abzulösen, die bei Feuerwehren im Raion Winnyzja eine neue Bestimmung finden. „Die Bilder und Berichte aus der Ukraine zeigen täglich, wie dringend die Menschen dort auf Unterstützung angewiesen sind. Es freut uns, dass wir mit der Weitergabe zweier Fahrzeuge aus Untergrombach und Heidelsheim einen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung leisten können“, sagten Oberbürgermeister Sven Weigt und Bürgermeister Andreas Glaser, zuständiger Feuerwehrdezernent. Ein weiteres Fahrzeug stellt die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen zur Verfügung. Bürgermeister Lukas Lang: „Für uns war schnell klar, dass wird diese Unterstützung leisten möchten. Es freut mich besonders, dass der Mannschaftstransportwagen die Delegation bereits während ihres Aufenthalts im Landkreis zuverlässig begleitet hat und künftig Menschen in der Ukraine unterstützen wird.“

Darüber hinaus wurden weitere Hilfsgüter gesammelt: Feuerwehren aus dem Landkreis stellten persönliche Schutzausrüstung, Schutzmasken und weitere Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung. „Es ist uns wichtig, die Kameradinnen und Kameraden in der Ukraine beim Aufbau von Freiwilligen Feuerwehren im ländlichen Bereich zu unterstützen. Bisher gibt es Feuerwehren in der Ukraine überwiegend nur in größeren Kommunen. Ich danke allen Wehren, die dazu beigetragen haben, dies zu ermöglichen“, sagte Kreisbrandmeister Jürgen Bordt.

Und noch weitere Partner unterstützen die Hilfsaktion: Die BEQUA gGmbH beteiligt sich mit Mobiliar und weiteren Einrichtungsgegenständen an der Ausstattung eines Zentrums für Binnenvertriebene. Hinzu kommen gebrauchte Schulmöbel und weitere Ausstattungsgegenstände aus Beständen des Landkreises Karlsruhe. Damit sollen u. a. Lernmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler in Schutzräumen eingerichtet werden.

Das Unternehmen dm unterstützt mit Hygieneartikeln in größerem Umfang. Das Deutsche Rote Kreuz stellt Medizingeräte, Verbandsmaterial und weitere Hilfsgüter bereit. „Es stand für das Team des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Karlsruhe außer Frage, dass wir die Menschen in der Region Winnyzja unterstützen. Die Medizingeräte und das Verbandsmaterial, die wir zur Verfügung stellen können, helfen hoffentlich, die Not vor Ort etwas zu lindern“, so Heribert Rech, baden-württembergischer Innenminister a. D. und Präsident des DRK-Kreisverband Karlsruhe e. V.

Ein Teil der Hilfsgüter wurde bereits am Dienstag, 21. Juli, in einem gemeinsamen Konvoi mit der Stadt Karlsruhe in die Region Winnyzja verabschiedet. Die Feuerwehrfahrzeuge und weitere Sachspenden folgen in den kommenden Wochen.

Delegationsleiter Igor Shutak zeigte sich im Kreistag dankbar für die Offenheit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit: „Die vielen Gespräche und Begegnungen haben gezeigt, dass wir viel voneinander lernen können. Wir würden es sehr begrüßen, die Zusammenarbeit weiter mit Leben zu füllen.“

„Mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung eröffnen wir ein neues Kapitel unserer Zusammenarbeit. Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg und bin sicher, dass unsere beiden Regionen von diesem Prozess in hohem Maße profitieren werden“, so Landrat Dr. Christoph Schnaudigel mit Hinweis auf gute Erfahrungen, die man auf Verwaltungsebene mit der israelischen Partnerregion Sha‘ar HaNegev gewonnen habe.

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