Autismus-Spektrum-Störungen, Gesundheitsvorsorge und JugendbeteiligungBreites Themenspektrum im Jugendhilfe- und Sozialausschuss des Landkreises Karlsruhe Der Jugendhilfe- und Sozialausschuss des Landkreises Karlsruhe hat sich in seiner Sitzung am Montag, 15. Dezember, in der Sporthalle in der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee mit aktuellen Entwicklungen rund um die Themen Soziales, psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, gesundheitliche Lage der Bevölkerung, Pflege sowie Jugendbeteiligung befasst. Berichtet wurde über die aktuelle Situation von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) bei Kindern und Jugendlichen. Die Zahl steigt seit Jahren an und führt zu einem hohen Bedarf an Unterstützungsleistungen durch die Jugend- und Eingliederungshilfe. Allein im Bereich der Jugendhilfe haben in diesem Jahr 199 junge Menschen entsprechende Hilfen erhalten, viele davon über das AutismusZentrum Bruchsal (AZB). Zusätzlich werden über 100 Kinder und Jugendliche therapeutisch begleitet. Da Schulen und Kitas die besonderen Bedürfnisse nicht in ausreichendem Maße auffangen können, muss die Jugend- und Eingliederungshilfe zunehmend einspringen – insbesondere bei der Schulbegleitung an Regelschulen, die im Bereich ASS hier vollständig vom Landkreis finanziert wird. Gemeinsam mit dem Landkreistag prüft die Verwaltung ein Klageverfahren, um die Zuständigkeitsfrage für Schulbegleitung allgemein zu klären. Um den steigenden Bedarfen zu begegnen, muss der Landkreis seine Unterstützungsangebote weiter ausbauen. Seit diesem Jahr stehen ergänzende Maßnahmen wie Kurzzeitberatung, Krisenintervention und das Pooling-Modell zur Verfügung. Wie es um die Gesundheit der Bevölkerung steht, zeigt das „Kreisprofil Gesundheit“. Dieses macht deutlich, dass der Landkreis Karlsruhe im landesweiten Vergleich insgesamt gut dasteht: Die meisten der 178 Gesundheitsindikatoren liegen überdurchschnittlich, nur 18 weisen relevante Auffälligkeiten auf. Positiv hervorzuheben sind niedrige Raten bestimmter Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und ein starker Rückgang alkoholbedingter Krankenhausfälle bei Jugendlichen. Gleichzeitig zeigt das Profil deutliche Herausforderungen, etwa erhöhte Neuerkrankungs- und Sterberaten bei einzelnen Krebsarten sowie überdurchschnittlich viele vermeidbare Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Probleme spiegeln bundesweite Trends wider, bei denen nicht-übertragbare Krankheiten wie Herz- und Lungenerkrankungen die größte Krankheitslast verursachen. Ein zentraler Befund ist der enge Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozialer Lage: Ungleichheiten bei Bildung, Einkommen oder Wohnbedingungen beeinflussen die Gesundheit und erhöhen das Risiko für chronische Erkrankungen. Prävention wirkt daher besonders dann, wenn sie soziale Faktoren verbessert – etwa durch bessere Umwelt- und Wohnbedingungen, gesunde Ernährung, Bewegung und Teilhabe. Das Gremium begrüßte, dass der Landkreis Karlsruhe bereits entsprechende Maßnahmen etabliert hat wie Bewegungsangebote, Lotsendienste oder auch das Radverkehrskonzept. Auch die Hilfe zur Pflege stand auf der Tagesordnung. Der Kreispflegeplan 2030 verdeutlicht, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen weiter steigen wird. Der Landkreis muss sich daher als Träger der Sozialhilfe und der Hilfe zur Pflege den Folgen stellen. Mehr pflegebedürftige Menschen, höhere Kosten pro Fall und eine zugleich unzureichende Refinanzierung bedeuten ein erhebliches Haushaltsrisiko. Zusätzlich wächst der administrative Aufwand, etwa durch komplexere Verfahren und vielschichtige Hilfebedarfskonstellationen. Außerdem hat sich das Gremium mit dem Thema Quartiersentwicklung befasst: Diese stärkt nachbarschaftliche Gemeinschaften, schafft Orte der Begegnung und organisiert Unterstützung im Alltag – mit dem Ziel, Lebensqualität, Miteinander und Teilhabe direkt im Wohnumfeld zu fördern. Vor diesem Hintergrund hat der Jugendhilfe- und Sozialausschuss der Beantragung der Förderung des Netzwerks „Pflege und Sorge“ im Landkreis Karlsruhe durch das Sozialministerium Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms „Quartiersimpulse“ zugestimmt. Mit den Fördermitteln sollen in den Kommunen lokale Netzwerke aufgebaut und gefestigt werden, in denen feste Ansprechpersonen Haupt- und Ehrenamtliche vernetzen, bedarfsgerechte Angebote entwickeln und die Unterstützungsstrukturen für Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen stärken. Die Förderung ermöglicht es, Sachmittel bereitzustellen, Koordinationsaufgaben zu honorieren und gemeinsame Aktionen umzusetzen, um Verantwortungsgemeinschaften nachhaltig zu etablieren. Ein weiteres Thema der Sitzung war das Konzept „Starke Jugend, starke Kommune – verlässliche Beteiligungsstrukturen für junge Menschen im Landkreis Karlsruhe“. Die Beteiligung junger Menschen ist rechtlich fest verankert und verpflichtet die Kommunen, Kinder und Jugendliche bei allen relevanten Vorhaben einzubeziehen. Zahlreiche Partner wie der Kreisjugendring, das Jugendreferat des Jugendamtes und die Arbeitsgemeinschaft der Jugendfreizeitstätten unterstützen dabei, tragfähige und wirksame Beteiligungsstrukturen aufzubauen. Mit einem neuen Konzept will der Landkreis die bisherigen Formate stabilisieren, um weiterhin eine gute Basis für nachhaltige Beteiligung in allen 32 Städten und Gemeinden zu erhalten. Ab 2026 ist ein neues landkreisweites Format geplant, das gemeinsam mit den Verwaltungen und Jugendlichen ausgestaltet wird. Die Initiative soll durch Fördermittel der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg unterstützt werden; die Antragstellungen laufen bereits. |
| 16.12.2025 |