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Die Verwaltung legte dem Jugendhilfe- und Sozialausschuss Sachstandsberichte zu den Bereichen Ganztagesbetreuung an Grundschulen, Schuldnerberatung und Beratungsarbeit gegen sexualisierte Gewalt vor

Im Jugendhilfe- und Sozialausschuss, dessen Sitzung am Montag, 3. Juni, in der Sporthalle der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee stattfand, stellte die Verwaltung Sachstandsberichte zu den Aufgabenbereichen Ganztagesbetreuung an Grundschulen und Schuldnerberatung vor und der Verein Wildwasser Karlsruhe e.V. berichtete von seiner Beratungsarbeit gegen sexualisierte Gewalt. Diese nahm das Gremium zur Kenntnis.

Die Verwaltung berichtete über den Stand der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf ein ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder im Grundschulbereich, das ab dem Schuljahr 2026/2027 für die Klassenstufe 1 und ab 2029/2030 bis Klassenstufe 4 jährlich um eine Klasse ausgebaut wird. Das Angebot sieht einen Betreuungsumfang während der Schul- und auch der Ferienzeit von acht Stunden an fünf Tagen pro Woche vor. Dem Gremium wurde berichtet, dass das Jugendamt als Träger der öffentlichen Jugendhilfe für die Sicherstellung des Rechtsanspruchs nach dem achten Sozilagesetzbuch verantwortlich ist. Im Rahmen dieser Gesamtverantwortung unterstützt das Amt die 32 Städte und Gemeinde, die als Schulträger für die Schaffung und den Ausbau von Betreuungsangeboten vor Ort zuständig sind. Eine aktuelle Bestandserhebung ergab, dass aktuell rund 2.700 Betreuungsplätze an Grundschulen sowie rund 500 Betreuungsplätzen an Ganztagesgrundschulen, gemessen an den gesetzlichen Vorgaben des Rechtsanspruchs, vorhanden sind. Wie hoch der tatsächliche Bedarf an Betreuungsplätzen ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer einschätzen.

Die Auswertung ergab, dass es einen besonders großen Ausbaubedarf für das Angebot in den Ferienzeiten gibt, die im Rechtsanspruch mit abgedeckt sind. Hinzu kommt, dass bis zum Schuljahr 2026/2027 ein Anstieg der Schülerzahlen laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg um ca. 7% prognostiziert wird, was einen weiteren Ausbaubedarf nach sich zieht.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung steht auch den Schülerinnen und Schülern der sechs Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren in Trägerschaft des Landkreises Karlsruhe zu. Diese sind bereits Ganztagesgrundschulen, jedoch deckt das bisherige Angebot den vollen Umfang des Rechtsanspruchs nicht ab; insbesondere in den Ferien findet bislang keine Betreuung statt. Besonderen Stellenwert hat die Schülerbeförderung, denn die Schülerinnen und Schüler sind auf die individuelle Beförderung mit den sogenannten freigestellten Schülerverkehre angewiesen, um das Angebot überhaupt in Anspruch nehmen zu können.

Das Gremium nahm die Ausbaubemühungen des Kreises und der Städte und Gemeinden zur Kenntnis. Bemängelt wurden die weiterhin fehlenden Rahmenbedingungen seitens des Gesetzgebers im Hinblick beispielsweise auf finanzielle Unterstützung oder Betreuungsschlüssel. Einigkeit herrschte darin, dass trotz der immensen Herausforderungen die Chancen ebenso berücksichtigt werden müssen, zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Stärkung von Teilhabe- und Bildungschancen.

Zweiter Punkt auf der Tagesordnung war der Sachstandsbericht zur Schuldnerberatung. Dieser wichtige Bestandteil der sozialen Infrastruktur wird seit über 35 Jahren im Landkreis Karlsruhe sichergestellt, seit dem Jahr 2012 in Form einer Kooperation zwischen dem Sachgebiet Schuldnerberatung im Amt für Grundsatz und Soziales mit den Caritasverbänden Bruchsal und Ettlingen sowie der Diakonie Bretten. Die Zahl der Beratungsfälle lag mit 783 Fällen im Jahr 2023 auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Hauptursachen der Überschuldung sind Arbeitslosigkeit bzw. reduzierte Arbeit und Krankheit. Das Gremium hob hervor, dass mit den fünf Standorten und Präventionsangeboten vor Ort ein niederschwelliges wohnortnahes Angebot besteht. Angesichts der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt mit einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum prognostiziert das Gremium steigenden Beratungsbedarf.

Auf konstant hohem Niveau bewegen sich auch die Fallzahlen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik waren 17.168 Personen im Jahr 2023 von sexueller Gewalt betroffen, 74% der Opfer waren weiblich. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher geschätzt. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel begrüßte in der Sitzung die Vertreterinnen von Wildwasser Karlsruhe e.V., eine Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für Menschen aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Zu den wahrgenommenen Aufgaben gehören neben der Beratung und Betreuung von betroffenen Personen auch die Fortbildung von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie Ehrenamtlichen in Vereinen. Insbesondere die Nachfrage nach Präventionsveranstaltungen habe um 59% stark zugenommen. Hauptthema dabei sind Schutzkonzepte in Kindertageseinrichtungen. Das Gremium dankte dem Verein Wildwasser für die Übernahme dieser wichtigen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.

04.06.2024 
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