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Pflegelotsen im Landkreis Karlsruhe - Erfüllende Begegnungen

Seit Herbst 2016 gibt es das Projekt Pflegelotsen im Landkreis Karlsruhe, unterstützt aus Mitteln der gesetzlichen Pflegeversicherung. Pflegelotsen sind ehrenamtlich Engagierte, die Menschen im Alter und bei Pflegebedürftigkeit besuchen, begleiten und beschäftigen. Erfreulicherweise konnten ab Anfang 2017 zehn Personen in Einsätze geschickt werden. Daraus haben sich schon jetzt schöne Geschichten, Begegnungen und gelungene Beziehungen entwickelt.

Birgit H. besucht z.B. die Katzenliebhaberin Frau K., die trotz ihrer körperlichen Einschränkungen, aktiv im Tierschutz engagiert ist. Die hilfesuchende Frau K. freut sich über die engagierte Pflegelotsin, die viel Elan und positive Energie mitbringt. Die beiden sind im gleichen Alter und verstanden sich auf Anhieb gut. Jetzt genießt Frau K. die Abwechslung im Alltag, die ihr die regelmäßigen Treffen mit Birgit H. bieten. Durch die Pflegelotsin bekommt sie Unterstützung, um ihren Hobbies weiter nachzugehen. So basteln die beiden gemeinsam, unternehmen Ausflüge oder gehen zusammen einkaufen. Manchmal muss auch Schriftliches erledigt werden. „Mit meiner Erkrankung ist meine Schrift saumäßig“, so Frau K. Da unterstützt die Pflegelotsin auch mal dabei einen Antrag auszufüllen oder einfach die Etiketten für die selbstgekochte Marmelade zu beschriften.

Die beiden sehen sich einmal pro Woche für ca. zwei Stunden. Die Pflegelotsin arbeitet ehrenamtlich und bekommt kein Geld für ihren Einsatz. „Mein Lohn sind die besondere Bereicherung und die Befriedigung, etwas Sinnvolles zu tun“, so Birgit H. Sie freue sich jede Woche auf die gemeinsame Zeit und bewundere die Hilfesuchende für ihren Optimismus trotz ihrer schweren, unheilbaren Krankheit. „Da lerne ich ganz viel für mich und bin unglaublich dankbar, dass ich ein so unbeschwertes Leben führen kann.“ Die Pflegelosten können etwas geben und bekommen dafür eine Horizonterweiterung, die sich nicht alltäglich bietet. Die betreffende Pflegelotsin, deren Berufsleben technik- und IT-orientiert war, freut sich jetzt über menschliche Begegnungen, die ihr eine besondere Erfüllung geben.

Obwohl die Pflege im Durchschnitt über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird und damit eine Dauerbelastung darstellt, nimmt ein hoher Anteil der Betroffenen gar keine professionelle Hilfe in Anspruch. Die Angebote werden nicht genügend wahrgenommen, zum einen wegen der Unübersichtlichkeit im „Dschungel“ der Gesetzgebung und der daraus resultierenden Möglichkeiten, zum anderen, weil Angebote mit „Kommstrukturen“ eine zu große Hürde darstellen. Aus Belastungen wie Überforderung bei degenerativen Krankheitsfolgen des Pflegebedürftigen, Isolation und fehlende Wertschätzung entstehen Bedarfe an Unterstützung, die mit den bisherigen Angeboten nicht abgedeckt werden können, sondern eine niedrigschwellige, zugehende Hilfe erfordern.

 

Im Pflegesystem wird eine weitere, zusätzliche Kraft benötigt, wie sie Ehrenamtliche durch ihr

Engagement darstellen. Sie können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen psychosozial begleiten und stärken und auch zu einer Vernetzung von Hilfsangeboten beitragen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, im Vorfeld von Pflege und Hilfebedarf im Zuge eines niedrigschwelligen Zugangs präventiv zu beraten und damit den eventuell späteren Einsatz professioneller Dienste zu erleichtern.

 

Der Einsatz bei den Klienten wird im Bedarfsfall als niederschwellige Begleitung durch den Pflegestützpunkt angeregt, so dass eine Auswahl eines geeigneten Pflegelotsen über die Koordinatorin erfolgen kann. Dadurch wird die Umsetzung der Maßnahmen sichergestellt und bei Problemen ist eine frühzeitige Intervention möglich.

Die Ehrenamtlichen werden durch regelmäßige Treffen zum Austausch und zur Reflexion der

Einsätze in ihrer Tätigkeit unterstützt. Die regelmäßige fachliche Begleitung der „Pflegelotsen“ im Rahmen von Gesprächskreisen zum Gedanken- und Informationsaustausch findet unter der Leitung der Koordinationsstelle statt. Weiterhin können bei Bedarf auch Einzelgespräche in schwierigen Pflegesettings oder bei Beendigung einer Begleitung stattfinden, um die „Pflegelotsen“ in ihrer Arbeit zu stärken und zu unterstützen und damit eine hohe Qualität zu sichern.

 

Aufgabengebiet „Pflegelotsen“:

 

  • Schwerpunkt der Betreuung ist Entlastung und Unterstützung im psychosozialen Bereich als Gesprächspartner/Ansprechpartner für ältere Menschen
  • Verlängerter Arm der Pflegestützpunkte, u. a. Hilfe bei Behördentätigkeiten, Antragsstellungen, etc.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Anleitung und Begleitung bei z. B. Einkäufen, Bankgeschäften,

Behördengängen, (Fach-)Arztbesuche, Hörgeräteakustiker usw.

  • Stärken und Ressourcen fördern, zur Selbstpflege ermutigen, Einsamkeit überwinden
  • Freizeitgestaltung, Kontaktaufbau zu Aktivitäten/Vereinen, Begleitung zu

Veranstaltungen/Treffen, etc.

  • Ansprechpartner bei Alltagsproblemen sein und zuhören
  • Beratung/Orientierung der Angehörigen
  • Anerkennung und Wertschätzung erteilen in einem Bereich, der nicht im Fokus der

Aufmerksamkeit steht

  • Entlastungsgespräche mit Angehörigen und ggf. Rahmenbedingungen dafür schaffen
  • Professionellen Diensten den Zugang erleichtern, Erstkontakte begleiten
  • Betreuung der pflegebedürftigen Person
  • Gesprächspartner/Ansprechpartner für alle Beteiligten
  • Hilfe bei Postangelegenheiten und Schriftverkehr
  • Kleine Hilfen in alltagspraktischen Tätigkeiten

 

Die Aufgabenbereiche sollten von jedem Ehrenamtlichen individuell gestaltet werden können, gemäß seinen Stärken, Interessen und persönlichen Grenzen. Wenn beispielsweise ein Ehrenamtlicher gerne Gartenarbeit macht, kann er das gerne tun, ein anderer möchte keine Begleitung bei Bankgeschäften übernehmen, so wird das bei der Auswahl beachtet und vorab mit der Familie besprochen und mögliche Aufgabenbereiche festgelegt.

Das laufende Projekt Pflegelotsen konzentriert sich auf die Raumschaft Bruchsal. Jederzeit können „neue“ Pflegelotsen aufgenommen werden, egal welcher Wohnort im Landkreis; es finden regelmäßig Schulungen statt. Die Pflegelotsen arbeiten eng mit den Pflegestützpunkten Landkreis Karlsruhe zusammen.